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Positive Bilanz
Obwohl die kaufmännische Führung keine Angaben zu konkreten Auslastungs- und Erlöszahlen nannte, wurde bekanntgegeben, dass sich sowohl die Anzahl der (Reportoir)-Stücke im Großen Haus als auch die Besucherzahlen gegenüber der Vorgänger-Intendanz im zweistelligen Bereich erhöht hat.
„Ich freue mich sehr, dass Wien, eine meiner Lieblingsstädte, mich persönlich und künstlerisch so herzlich willkommen geheißen hat. Auch hat unser Start am Volkstheater meine Erwartungen übertroffen,“ sagt Jan Philipp Gloger vor Journalisten. „Uns sind großartige Produktionen gelungen, in einer extremen Bandbreite, die nicht nur medial, sondern auch beim Publikum sehr positive Resonanz geweckt haben. Dass wir sogar einen Zuwachs bei den ZuschauerInnen-Zahlen geschafft haben, macht mich sehr stolz. Nach knapp einem Jahr in Wien können wir mit unserem Programm für die nächste Spielzeit nochmal ganz anders auf die Stadt blicken, und das spiegelt sich in dem spannenden Programm der nächsten Spielzeit: Mutig, und immer auf der Suche nach Nähe und Verbindung".
Die Saison 2026/27 im Volkstheater
Insgesamt umfasst das Programm im Großen Haus 13 Premieren und damit um drei weniger als in der Vorsaison Volkstheater-Hausregisseurin Rieke Süßkow eröffnet die neue Spielzeit 2026/27 mit einer Annäherung an große Theaterfiguren: Sie versetzt Shakespeares „Macbeth“ und Lady Macbeth in die Gewaltspirale einer Gaming-Welt (Premiere 10.9.2026). Jan Philipp Gloger kombiniert unter dem Titel „Die Ankunft“ vier von Elfriede Jelinek zwischen 1988 und 2025 verfassten Texte zu einem Theaterabend und nimmt dabei beängstigende Verbindungslinien in den Blick: In einer Zeitreise von den toxischen Ursprungsmythen völkischen Denkens über die Naziverbrechen in Rechnitz, den Terror des NSU in Deutschland bis zum Rechtsruck hierzulande (Premiere 26.9.2026).
Weiters inszeniert Gloger die 33 Gesänge von Hans Magnus Enzensbergers „Der Untergang der Titanic“ aus dem Jahr 1977 und thematisiert damit, wie komplex es ist, ein Bild für kriechende Krisen zu finden (Premiere 12.12.2026).
Ibsens „Hedda“ wird, weitgeschrieben von der Wiener Autorin Gerhild Steinbuch, inszeniert von Felicitas Brucker („Caché“, 2025), zum Zerrbild von Rollenerwartungen und Abstiegsängsten unserer Zeit (Premiere 21.1.2027).
Regisseurin Claudia Bauer inszeniert nach ihren drei Volkstheater-Erfolgsproduktionen („humanistää!“, 2022 / „Malina, 2023 / „Krankheit oder moderne Frauen“, 2025) wieder am Haus und widmet sich erneut genresprengend und hochpräzise einem großen Sprach- und Lebenskünstler der Literaturgeschichte: Daniil Charms. Mit „Jelisaweta Bäm“ bringt sie jene Wirklichkeit auf die Bühne, die wir irrtümlicherweise immer noch „Quatsch“ nennen (Premiere 18.3.2027).
Die Gruppe Nesterval verwandelt das gesamte Volkstheater 100 Jahre zurück und lädt zur immersiven Revue „Nestervals 1927“ und lässt die Zeiten, in denen es um nichts Geringeres als die Verteidigung der Demokratie geht, noch einmal auf eine ganz andere Weise spürbar werden (Premiere 8.4.2027).
Mit „What if I fall“ bringt die Theaterkünstlerin Lies Pauwels Ensemblemitglieder und Menschen mit psychischem Leiden zusammen. Gemeinsam setzen sie sich mit den gesellschaftlichen Umbrüchen unserer Gegenwart ebenso auseinander wie mit der Biografie von Antonio Vivaldi. Darin zeigt sich das radikal breite Spektrum an Erzählweisen am Volkstheater (Premiere Mai 2027).
Da kaum etwas so verbindet wie gemeinsames Lachen, bildet auch der Humor wieder einen Eckpfeiler im Programm des Volkstheaters: Regisseur Christian Brey kehrt nach seiner Erfolgsproduktion „Komödie mit Banküberfall“ (Wiederaufnahme) ans Volkstheater zurück und zeigt mit der deutschsprachen Erstaufführung „Na gut, dann Action!“ ein Slapstick-Meisterwerk der Mischief Theatre Company (Premiere 14.11.2026).
Die österreichische Erstaufführung von Svenja Viola Bungartens Komödie „Der Liebling“ in der Regie von Milena Mönch („Halbe Leben“, 2025) zeigt den wahnwitzigen Machtkampf zweier ziemlich patriarchaler Unternehmerinnen, die mit Menstruationshygiene-Artikeln Wirtschaftsimperien aufgebaut haben (Premiere 12.2.2027).
In der Dunkelkammer bringt Regisseurin Barbara Weber die Uraufführung „Lamento“ der Ausnahmekünstlerin Madame Nielson, der das Volkstheater eine Retrospektive widmet, auf die Bühne (Premiere 22.10.2026). Rieke Süßkow zeigt mit „Das Wiener Volksohr“ das Kondensat des zweijährigen Kunstprojektes des radikalen Zuhörens und einer Suche nach der gegenwärtigen Wiener Seele als installativen und musikalischen Theaterabend (Premiere April 2027).
Volkstheater in den Bezirken
Das Volkstheater Bezirke beginnt die Spielzeit 2026/27 mit Büchners „Woyzek“ als Monolog eines Vereinsamten in der Regie von Mechthild Harnischmacher („Pettersson und Findus“, 2024 / „Like Lovers Do“, 2025) (Tourneestart 18.9.2026). Die österreichische Erstaufführung „Anthropologie“ stellt virtuellen Machtgelüsten ein virtuelles Nähebedürfnis gegenüber, wenn die Hauptfigur ihre vermeintliche verstorbene Schwester mit Hilfe von KI zum Leben erweckt. Regie: Martina Gredler („The Boys are Kissing“, Wiederaufnahme) (Tourneestart 13.11.2026).
Abgründige Machtansprüche, Wortwitz und verwechslungskomödiantischen Winkelzüge menschlicher Schwächen tun sich in Molières „Die Schule der Frauen“ auf, vielschichtig und humoristisch inszeniert vom Regie-Duo Sarah Viktoria Frick und Martin Vischer (Tourneestart 19.2.2027). Als letzte Inszenierung in den Bezirken zeigt Autor und Regisseur Armin T.Riahi eine Comédienne aus dem Jahr 2026 als „Eine schutzwürdige Person“, die dem Publikum – so die Fortsetzung des Uraufführungstitels – davon erzählt „Wie ich es geschafft habe, mit einem Witz die ganze Welt gegen mich aufzubringen.“ (Tourneestart 9.4.2027).
Weiters findet mit „Die kleine Hexe“ nach dem Roman von Otfried Preußler auch in der neuen Spielzeit 2026/27 wieder ein Familienstück für alle ab 6 Jahren statt. Zu sehen in der Regie von Danielle Fend-Strahm sowohl in der Dunkelkammer als auch auf Tour durch die Bezirke (Premiere 27.9.2026 in der Dunkelkammer). [mst/kjz]
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