Passwort vergessen?
 
Neuen Account erstellen
 
Warum registrieren
 
Nachricht
DruckenArtikel als pdf anzeigen

Patente auf Saatgut: Wie das Europäische Patentamt EU-Recht aushebelt
Anti-Saaten-Patent Logo
© Keine Patente auf Saatgut! e.V.
  

Patente auf klassisch gezüchtete Pflanzen sind in der EU verboten – eigentlich. Und bisher, denn Lobbyisten der Saaten-Konzerne drängen schon länger auf eine Gesetzesänderung. Ein neuer Bericht der Koalition 'Keine Patente auf Saatgut!' zeigt, dass das Europäische Patentamt dieses Verbot jetzt schon systematisch umgeht, und fordert das EU-Parlament auf, noch im Mai 2026 zu handeln.

Ein Verbot, das nicht greift

Seit einer Regeländerung des Europäischen Patentübereinkommens im Jahr 2017 sollte die Sache klar sein: Pflanzen aus klassischer Züchtung sind von der Patentierbarkeit ausgenommen. Die Praxis des Europäischen Patentamts (EPA) sieht jedoch anders aus. Wie aktuelle Präzedenzfälle belegen, erteilt das EPA Patente auf natürlicherweise vorkommende Gene – und dehnt deren Reichweite auf Pflanzen aus, die diese Gene in ihrem Erbgut tragen. "Natürlicherweise vorkommende Gene werden in vorhandenen Sorten oder auch Wildpflanzen entdeckt. Diese Genvarianten können dann auch als 'Markergene' zur Auswahl der erwünschten Pflanzen verwendet werden. Die Patente erstrecken sich auf die Gene und die Verwendung der jeweiligen Pflanzen für die Zucht. Zum Teil ist sogar die Ernte betroffen", erklärt Christoph Then, Sprecher von 'Keine Patente auf Saatgut!'. Besonders augenfällig ist der Fall eines KWS-Patents auf klassisch gezüchteten Mais mit verbesserter Verdaulichkeit – das erste Patent dieser Art, das 2022 nach Inkrafttreten der neuen Regelung erteilt wurde. Seitdem wurden mindestens fünf weitere ähnliche Patente vergeben, und im Jahr 2025 wurden rund 40 zusätzliche Patentanmeldungen mit vergleichbaren Ansprüchen veröffentlicht.

Biologische Vielfalt und Züchtungsfreiheit auf dem Spiel

Die Tragweite dieser Entwicklung geht weit über juristische Feinheiten hinaus. "Trotz des ausdrücklichen Willens der EU, diese Patente zu verbieten, ist zu befürchten, dass in den nächsten Jahren hunderte von Patenten auf konventionell gezüchtete Pflanzen erteilt werden. Durch diese Entwicklung wird der Zugang zur biologischen Vielfalt, der für die Züchtung von Pflanzen mit Resistenzen gegen Krankheiten und die Anpassung an den Klimawandel unverzichtbar ist, behindert oder sogar blockiert. Die Auswirkungen betreffen vor allem kleinere und mittelgroße Zuchtunternehmen, auch wenn diese gar keine Gentechnik einsetzen wollen. Auch die Landwirtschaft ist betroffen", warnt Dagmar Urban von Arche Noah, die der internationalen Koalition angehört. Dass das Problem gesellschaftlich längst angekommen ist, belegen aktuelle repräsentative Umfragen in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Polen: 80 Prozent der Bevölkerung lehnen Patente auf Saatgut ab. Auch das EU-Parlament forderte bereits 2024 entsprechende Verbote, und die deutsche Agrarministerkonferenz schloss sich diesen Forderungen im März 2026 an.

Die Abstimmung naht – und die Koalition fordert Klarheit

Die Zeit drängt: Noch im Mai 2026 soll das EU-Parlament über neue Regelungen zu Pflanzen aus neuer Gentechnik (NGT) abstimmen – ein Gesetzestext, der derzeit jedoch noch keine wirksamen Verbote für Saatgutpatente vorsieht. "Tatsächlich sind wirksame Verbote und Einschränkungen im Patentrecht absolut notwendig: Werden entsprechende Patente in Zukunft nicht verboten oder wirksam eingeschränkt, drohen dramatische Folgen für Pflanzenzucht und Landwirtschaft. Die internationale Koalition 'Keine Patente auf Saatgut!' fordert deswegen, dass der vorliegende Gesetzesvorschlag zu Neuen Gentechnik-Pflanzen um wirksame Verbote ergänzt oder zurückgewiesen werden muss", betont Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. Parallel dazu läuft die Beschwerde der Koalition gegen die EPA-Entscheidung vom November 2025, mit der das Amt den Einspruch gegen das KWS-Patent abgewiesen hatte.

[kjz]

Link zu: Der aktuelle Bericht

Link zu: Mehr Infos zum Mais-Patent

Link zu: Protokoll Agrarministerkonferenz

Kommentare
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 
Drucken
Lifestyle Nachrichten

Restaurant-Hotel Obauer schließt am Nationlafeiertag

Kulturelles Familientreffen im Palais Niederösterreich

Motel One Group knackt 1 Mrd €-Umsatzschwelle

Goldenes Flipchart geht an Gartenhotel Ochensberger und Sattlerwirt

Gastroaktion "Suppe mit Sinn" brachte 50.000 Euro

Explodierende Spritpreise trüben Freude auf heimischen Spargel

down
Suche nach News

Bitte geben Sie den gewünschten Suchbegriff ein:

 
GO