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Bio-Skandal am Cobenzl: Städtischer Vorzeigebetrieb unterlief die eigenen Standards
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Das städtische Weingut Cobenzl steht im Zentrum eines Skandals: Trotz Bio-Zertifizierung und öffentlichkeitswirksamer Nachhaltigkeitsversprechen wurden 2024 auf rund 30 von 60 Hektar Rebfläche konventionelle Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Der Fall wirft ein bezeichnendes Licht auf die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Praxis der Stadt Wien aber auch die Ablöse des früheren Weingutsleiters.

Vom Vorzeigebetrieb zum Problemfall

Die Chronologie der Ereignisse offenbart ein systematisches Versagen: Noch 2023 präsentierte sich das Weingut als Pionier der Bio-Zertifizierung, während intern bereits über daraus entstehende Probleme in der Bewirtschaftung diskutiert wurden.. Besonders pikant: Der langjährige Betriebsleiter Thomas Podsednik musste just in dieser kritischen Phase seinen Posten räumen - angeblich wegen Schwierigkeiten bei der Bio-Umstellung. Maßgeblich dafür laut Kurier-Bericht: Der frühere Leiter der MA 49 früherer Leiter der MA 49 Andreas Januskovecz, der bald danach im Magistrat auf den Posten des 'Klimadirektors' wechselte.

Doppelte Standards der Stadtpolitik

Während die Stadt Wien zum Jahreswechsel 2024/25 mit einer Novelle zum Pflanzenschutzmittelgesetz den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide stadtweit stark einschränkte, praktizierte ihr eigener Vorzeigebetrieb genau das Gegenteil. Dies wird durch die defensive Kommunikationsstrategie der zuständigen MA 49 noch verstärkt, die von 'betriebsstrategischen Gründen' spricht und jeden Vorwurf der Täuschung zurückweist und kontert, man habe "die kurzfristige Umstellung eines Teils der Rebflächen, nämlich jene am Bisamberg, weder verheimlicht noch missbräuchlich kommuniziert". Dabei ist der Schaden nicht nur für das städtische Weingut, sondern für den Wiener Wein insgesamt immens.

Vertuschung statt Transparenz

Besonders fragwürdig erscheint das Krisenmanagement: Erst durch Medienrecherchen, insbesondere des Kuriers, wurde der Fall publik, obwohl die Verantwortlichen laut Berichten schon länger von den Problemen wussten. Die Erklärung der MA 49, man habe "nichts verheimlicht", wirkt angesichts der Berichte mancher Medien, dass im Handel sogar Bio-Weine des Jahrgangs 2024 vom Bisamberg aufgetaucht seien, zumindest fragwürdig.

Weitreichende Konsequenzen

Die Folgen des Skandals gehen weit über den geschätzten finanziellen Schaden von einer Million Euro hinaus. Das Weingut verliert nicht nur für mindestens drei Jahre seine Bio-Zertifizierung, sondern beschädigt auch das Vertrauen in die gesamte Bio-Zertifizierung. Für private Winzer, die sich strikt an Bio-Vorgaben halten, ist das Verhalten des städtischen Betriebs besonders bitter. Entsprechend hart fordert die Rathausopposition auch Aufklärung und Verantwortung. Die Wiener FPÖ spricht von einem beispiellosen Weinskandal, für die GrünInnen liegt die Verantwortung "nicht nur beim Weingut selbst, sondern auch bei der Stadt als Eigentümerin". VP-Wien Umweltsprecherin Elisabeth Olischar sieht einen "Schlag ins Gesicht aller Landwirtinnen und Landwirte, die nach strengen Biovorgaben produzieren"

Politische Dimension

Der Fall zeigt exemplarisch die Schwächen städtischer Betriebsführung: Mangelnde Transparenz, unklare Verantwortlichkeiten und eine Tendenz zur Vertuschung statt offener Kommunikation. Erschwerend kommt hinzu, dass seit dem Abgang von Podsedniks kein Nachfolger als Betriebsleiter kommuniziert wurde - also fast zwei Jahre - die aktuelle Führungsstruktur des Weinguts bleibt in allen öffentlich verfügbaren Quellen unklar. Die Opposition fordert zu Recht eine lückenlose Aufklärung - nicht nur über die Vorgänge am Cobenzl, sondern auch über die Rolle der stadtnahen Kontrollinstanzen.

[kjz]

Link zu: Weingut Wien Cobenzl

Link zu: Stadt Wien - Forst- und Landwirtschaftsbetrieb (MA 49)

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