Es gibt Geburtstagsgeschenke, die man nicht braucht, und solche, die man aufs Kuvert klebt. Das Café Central feiert 150 Jahre und erhält von der Österreichischen Post eine eigene Sonderbriefmarke. Ausgabetag ist der 1. Oktober 2026, der internationale Tag des Kaffees. Passender könnte der Termin kaum sein.
Eine Tasse mit Portal: Das Motiv und die Fakten
Gestaltet hat die Marke Liz Wurzinger. Sie zeigt eine Kaffeetasse aus der Vogelperspektive auf rötlich marmoriertem Untergrund, und in der goldbraunen Crema schwimmt das berühmte Eingangsportal samt Rundbogen und Schriftzug. Rechts oben steht '150 Jahre Café Central'. Man möchte fast umrühren. Die Marke misst 40 × 33 Millimeter, hat einen Nennwert von 1,25 Euro und erscheint in einer Auflage von 150.000 Stück, gedruckt von Cartor Security Printers im Offsetverfahren. Bei der Übergabe gerieten die Verantwortlichen ins Schwärmen. Walter Oblin, Generaldirektor der Österreichischen Post AG, sagte: "Ein guter Kaffee und persönliche Post haben etwas gemeinsam: Beide schaffen einen Moment des Innehaltens und bringen Menschen miteinander in Verbindung." Das trifft es erstaunlich gut, auch wenn der Brief meist weniger schäumt als die Melange.
Stammgäste von Freud bis Zweig: Ein Haus mit Gästebuch für die Geschichtsbücher
Das 1876 eröffnete Café im Palais Ferstel wurde zur Jahrhundertwende zum Wohnzimmer der Wiener Literatur- und Geisteswelt. Zu den Stammgästen zählten Arthur Schnitzler, Alfred Loos, Sigmund Freud und Stefan Zweig sowie Künstlerinnen wie Lina Loos. Wer heute LeserIn, SchreiberIn oder einfach KaffeetrinkerIn ist, kann die Tradition weiterhin pflegen, etwa bei der Literaturreihe "Da Capo" mit der Österreichischen Gesellschaft für Literatur. Aktuell bleibt die Tür in der Herrengasse allerdings zu: Seit März 2026 wird das Haus unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes umfassend renoviert. Thonet-Stühle werden aufgearbeitet, Backhausen-Stoffe erneuert oder originalgetreu nachgefertigt, historische Luster restauriert. Die Wiedereröffnung ist für Ende 2026 geplant. Zur Überbrückung serviert das Pop-up Decentral auf der Freyung Kaffeehausqualität. Martin Winkler, Vorsitzender des Vorstandes des Verkehrsbüros, das das Haus seit 2011 betreibt, betont: "Das Café Central ist für unsere Gäste aus aller Welt ein Stück Wiener Identität." Und fügt hinzu, man bewahre so "die historische Substanz für eine erfolgreiche Zukunft". Bis dahin gilt: Marke kaufen, Gruß schreiben, Kaffee im Decentral bestellen. Ein schöneres Warten gibt es kaum.