Der (sag niemals) Leberkäse (zu mir) aus Ulrichsberg hat obsiegt, der Pilz musste die Küche räumen. Neuburger stellt seine veganen 'Fungi Pads' ein, zum zweiten Mal scheitert eine fleischlose Linie am magelnden Marktinteresse. Fleisch bleibt Fleisch, Käse bleibt Käse, und der Leberkäse bleibt, was er immer war: unbestechlich.
Der Pilz, der zu teuer wurde
Die Marke 'Hermann.Bio' wollte mit Kräuterseitlingen zeigen, dass es auch ohne Tier geht. Seit 2023 wurde in Ulrichsberg fleißig gepresst und geformt, was sich am Ende doch nicht wie Leberkäse anfühlte, sondern wie ein Kompromiss. Nun ist Schluss: Ende September wird die Produktion eingestellt. Geschäftsführer Thomas Neuburger begründet das nüchtern: "Stark gestiegene Produktionskosten, Inflation und eine spürbare Kaufzurückhaltung bei höherwertigen Lebensmitteln haben dazu geführt, dass eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung nicht möglich ist." Man könnte auch sagen: Die LeserInnen des Kühlregals haben mit den Füßen beziehungsweise mit dem Einkaufswagen abgestimmt, und der Pilz hat verloren.
Zweite Niederlage in drei Jahren
Wer glaubt, das sei ein einmaliger Ausrutscher, irrt gewaltig. Schon 2022 musste Neuburger die Linie 'Hermann fleischlos' beerdigen, ganze 50 Millionen Euro sind insgesamt in den Aufbau der fleischlosen Produktion und der eigenen Pilzzucht geflossen. Das ist nicht wenig Geld für ein Produkt, das offenbar niemand so recht vermisst, sobald es aus dem Regal verschwindet. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nun betroffen, sollen aber laut Unternehmen intern weiterbeschäftigt werden. Der Familienbetrieb, seit 1919 mit Fleischhauerei und Gasthaus im Geschäft, bleibt sich damit treu: Er experimentiert, scheitert, und kehrt am Ende doch wieder zur ehrlichen Wurst zurück.
Fermentiertes statt Fungi: die Zukunft ab 2027
Ganz aufgeben will man in Ulrichsberg die pflanzliche Idee trotzdem nicht. Ab 2027 soll eine neue vegane Produktlinie in der bestehenden Halle entstehen, und auf den ehemaligen Pilzflächen ist ein fermentiertes Lebensmittel für den europäischen Markt geplant. Ob das dann besser ankommt als die 'Fungi Pads', wird sich zeigen, Hoffnung stirbt schließlich zuletzt, genau wie beim Leberkäse die Kuh. Bis dahin gilt in Ulrichsberg wieder die alte Regel, mit der die Marke einst berühmt wurde: "Sagen Sie niemals Leberkäse zu ihm." Zu einem Pilzprodukt hätte man diesen Satz ohnehin nie sagen müssen, denn Leberkäse war es schlicht nie. Und laut EU-Kompromiss darf er es künftig auch offiziell nicht mehr sein: Im Leberkäse muss Fleisch enthalten sein, während viele andere Fleischalternativen ihre Namen behalten dürfen. Zumindest in einem Punkt sind sich Brüssel und der Mühlviertler Familienbetrieb also einig.