Kaum hat der Sommer sein Köfferchen gepackt, war die Ernte in der Steiermark schon fertig gelesen. Der Jahrgang 2026 kommt so früh wie nie, dafür aber gesund, aromatisch und mengenmäßig auf Normalniveau. Während andere Weinbaugebiete Österreichs unter der Trockenheit ächzten, zeigte sich die Südsteiermark erstaunlich gelassen. Zeit für einen Blick ins Glas.
Mediterranes Klima als Glücksfall
Wer in diesem Jahr durch die steirischen Weingärten spazierte, konnte sich stellenweise wie in der Toskana fühlen: trockene Phasen, hohe Temperaturen, ein illyrisch-mediterranes Klima, das die Reben forderte, aber nicht überforderte. Rechtzeitige regionale Niederschläge sorgten für Entspannung, bevor es kritisch wurde. Zur entscheidenden Reifephase stellte sich dann jener Wechsel zwischen warmen Tagen und kühlen Nächten ein, der für die steirische Weinstilistik so entscheidend ist. Nur auf besonders kargen Böden wurde es für die Reben stellenweise eng. "Weinreben können mit trocken-heißen Bedingungen deutlich besser umgehen als andere Kulturen. Hauptgrund dafür ist die gute und tiefe Verwurzelung bei älteren Reben", erklärt Martin Palz, Geschäftsführer der Wein Steiermark, und fügt hinzu: "Generell hat der Regen im Süden die Lage im Weinbau leicht entspannt. Wir rechnen kaum mit Ernteausfällen durch die heurige Trockenheit."
Rekordtempo im Weingarten
Noch nie ging es so schnell: Bereits Ende August wurden die ersten Trauben für die Sektproduktion gelesen, Anfang September startete die Hauptlese, und Mitte des Monats war bei vielen Betrieben schon alles im Keller. Die hohen Temperaturen ließen die Zuckergehalte rasant ansteigen, was rasches Handeln bei der Verarbeitung und Kühlung der Trauben nötig machte. Der richtige Lesezeitpunkt entschied darüber, ob Frische, Aromatik und das Verhältnis von Reife zu Säure im Gleichgewicht blieben. Stefan Potzinger, Obmann der Wein Steiermark, bringt die Erleichterung auf den Punkt: "Die sonnigen Tage und kühlen Nächte während der Hauptlese ermöglichten uns eine gut organisierte und weitgehend stressfreie Weinlese. Wir Winzer konnten uns über gesunde, aromaintensive Trauben mit sehr guten Zucker- und Säurewerten freuen." Und mit einem Lächeln setzt er nach: "Jetzt sind wir alle ein wenig müde, aber vor allem sehr glücklich mit dem Ergebnis."
Menge stimmt, Stil überzeugt
Nach 244.717 Hektolitern im Vorjahr laut Statistik Austria zeichnet sich für 2026 erneut eine Erntemenge im Bereich einer Normalernte ab, nach ersten Schätzungen sogar mit einer Steigerung gegenüber dem Fünfjahresschnitt. Bei rund 5.000 Hektar Rebfläche liegt das Produktionspotenzial der Steiermark zwischen 230.000 und 250.000 Hektolitern. Geschmacklich dürfen sich LiebhaberInnen auf einen lebendigen, frischen, von Leichtigkeit geprägten Jahrgang freuen, der ebenso Raum für charaktervolle und kräftigere Stilistiken lässt. Kurzum: ein Jahrgang, der Lust auf das Glas macht, ohne den Kopf schwer zu machen.
Weinherbst Steiermark: Jetzt wird gefeiert
Mit dem letzten Fass im Keller beginnt für die Steiermark die schönste Jahreszeit für alle GenießerInnen: der Weinherbst. Sturm, Buschenschankbesuche und zahlreiche Weinfeste prägen die kommenden Wochen, und wer den neuen Jahrgang dort erleben möchte, wo er entstanden ist, findet über die Buschenschanksuche der Wein Steiermark einen Überblick über mehr als 200 Betriebe samt aktuellen Öffnungszeiten. Den festlichen Höhepunkt der Saison bildet am 4. November die Junkerpräsentation in Graz, bei der der junge Jahrgang erstmals offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Bis dahin gilt für alle Steiermark-Fans nur eine Devise: raus in die Weingärten, hinein in die Buschenschank, und den goldenen Herbst mit einem Glas des frischesten Jahrgangs seit Menschengedenken genießen.
Ausgewählte Termine:
Gamlitzer Weinlesefest | 1.–4. Oktober 2026
Eibiswalder Weinlesefest | 3.–4. Oktober 2026
Burgenland trifft Steiermark, München | 22. Oktober 2026
Weinbergfest Klöch|Hochwarth | 26. Oktober 2026
Junkerpräsentation, Graz | 4. November 2026
Steirische Riedenweinpräsentation, Palais Ferstel Wien | 18. November 2026
Der neue Wein ist da: Steirischer Junker 2026
Ab 23. Oktober ist mit dem Steirischen Junker der erste junge Wein des Jahrgangs 2026 erhältlich. Frisch, jugendlich und fruchtig gibt er einen ersten Vorgeschmack auf den neuen Jahrgang. Am 4. November präsentieren rund 90 Junker-Winzer:innen ihre Weine bei der Junkerpräsentation in der Grazer Stadthalle. Heuer neu ist der Junker-Ausklang bis Mitternacht mit Junker, Junker-Spritzer, Vibes & Beats.