Zu Erntedank stoßen wir traditionell auf Fülle an. Heuer klingt das Glas etwas hohler, denn das historische Dürrejahr hat Wiesen in Strohballen und Bilanzen in Sorgenfalten verwandelt. Doch es gibt Hoffnung, und sie wächst ausgerechnet dort, wo es nach Erde, Klee und Kuhweide riecht: im Bio-Landbau.
Wenn der Teller leer bleibt, bevor er gedeckt ist
Die Zahlen sind ernüchternd: Bis zu minus 20 Prozent bei Getreide, bei Grünland sogar bis zu 50 Prozent. Viele Bäuerinnen und Bauern mussten die Wintervorräte vorzeitig anbrechen oder Tiere früher als geplant zum Schlachter bringen. "Dies führt in den kommenden Jahren zu Einkommensverlusten und zur Gefährdung der wirtschaftlichen Basis", weiß Lukas Hochwallner, Geschäftsführer der ARGE Nahtürlich BIO. Für uns GenießerInnen ist das keine Randnotiz, sondern ein Weckruf. Laut einer Umfrage von Communityadapt rechnen 80 Prozent der heimischen Betriebe mit Folgen des Klimawandels für ihre Produktion, 40 Prozent halten ihn sogar für existenzgefährdend. Hochwallner bringt es auf den Punkt: "Denn was nicht auf den Feldern wächst, kann nicht verkocht werden." Ein Satz, den sich so mancher Küchenchef gerne übers Pass hängen darf.
Wurzeln statt Wunder: Der Werkzeugkasten der Bio-Bauern
Der niederösterreichische Biolandwirt fordert ein rasches Umdenken, denn wer weitermacht wie bisher, heizt das Problem womöglich noch an. Sein Rezept klingt erfrischend bodenständig: Böden, die Wasser halten, Pflanzen, die tiefer wurzeln, und Kreisläufe, die unabhängiger machen. Konkret heißt das Humusaufbau, eigenes Futter statt Importe, Mist statt Kunstdünger und Weiderotation statt Dauerrasen. In der Sommertrockenheit grasen weniger Tiere auf mehr Fläche, damit das Gras überhaupt eine Chance hat. Dazu kommen vielfältige Fruchtfolgen, tiefwurzelnde Kleegräser und Luzerne, Agroforst als Schattenspender sowie Mulch- und Direktsaat, bei der der Boden fast in Ruhe gelassen wird. Auch die Kühe dürfen mitplanen: Durch saisonale Abkalbung haben sie im Mai und Juni, wenn es am meisten zählt, das beste Futter. Klingt nach Wellness für Wiese und Wiederkäuerin, ist aber handfeste Vorsorge.
Resilienz ist kein Zufall, sondern ein Plan
Dass das funktioniert, zeigt Hochwallner am eigenen Hof. Er stellte schon vor Jahren auf trockenresistente Grünlandhaltung um und reduzierte bewusst die Gesamtleistung, um nicht ständig am Limit zu fahren. Der Lohn: "Wir haben das heurige Dürrejahr aufgrund der vor Jahren durchgeführten Umstellung ohne große wirtschaftliche Turbulenzen verkraftet." Unverwundbar sei man dennoch nicht, räumt er ehrlich ein. Auch wir am Esstisch sind gefragt: Wer verantwortungsbewusst zu fairen Preisen einkauft, leistet laut Hochwallner "einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Versorgungssicherheit in unserem Land". Besonders die Gastronomie hat dabei Vorbildwirkung. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, kann sich zum kostenfreien Webinar der Initiative NaHtürlichBIO zur trockenheitsresistenten Grünlandbewirtschaftung anmelden. Und beim nächsten Erntedank darf das Glas dann wieder ruhig etwas höher gehoben werden.
Über die ARGE NahtürlichBIO
Die ARGE NahtürlichBIO ist eine Initiative dreier Bio-Pioniere aus dem Mühl- und Waldviertel, bestehend aus der Biobäuerlichen Vermarktung, Sonnberg Biofleisch und BerSta Biogroßhandel. Alle drei Partner sind seit Jahrzehnten tief in der Produktion und Vermarktung von Bio-Lebensmitteln verwurzelt. Bio ist ihr gemeinsames Anliegen und täglich gelebte Haltung: BIO von der Weide bis auf den Teller. Ihr Ziel: die heimische Gastronomie dabei zu unterstützen, Bio-Lebensmittel aus regionaler, bäuerlicher Herkunft erfolgreich einzusetzen und damit den Bio-Anteil in Österreichs Küchen zu erhöhen. Das Projekt wird unterstützt von Bund, Ländern und der Europäischen Union.