Die Hitze war beispiellos beispiellos, die Trockenheit brutal: Wiens Weinbau musste diesen Sommer kämpfen wie noch nie zuvor. Doch aus der Not wird eine Tugend: Während die Erntemengen um 25 Prozent sinken, reifen Trauben von außergewöhnlicher Qualität. Bürgermeister Michael Ludwig hat eine charmante 'Soforthilfe': "Besucht die Wiener Heurigen und rettet damit gleichzeitig das Weinerbe der Stadt."
Extreme Bedingungen, konzentrierte Qualität
"Die extreme Trockenheit und eine in dieser Intensität und Dauer noch nie dagewesene Hitzewelle haben unseren Weinreben in diesem Sommer das Äußerste abverlangt", berichtet Hans Schmid vom Weingut 'Mayer am Pfarrplatz', Wiens kleinstem Weingarten am Schwarzenbergplatz. Mit Ertragseinbußen von etwa 25 Prozent rechnet er für heuer - manche Winzer mussten sogar händisch die Traubenlast reduzieren, um ihre Reben zu retten. Doch wo Hitze und Mangel herrschen, konzentriert sich die Natur: "Die Beeren sind kerngesund und der Most hat hohe Gradationen, da die Rebstöcke ihre ganze Kraft in die wenigen Trauben stecken können", erklärt Schmid mit Optimismus. Das Ergebnis soll ein "denkwürdiger Jahrgang mit dichten, konzentrierten und langlebigen Weinen" werden. Hinzu kommt eine neue Bedrohung: Die amerikanische Rebzikade wurde erstmals in Wien gesichtet und überträgt die gefährliche Quarantänekrankheit Goldgelbe Vergilbung.
Klima-Strategie statt Krise-Management
Norbert Walter, Präsident des Wiener Weinbauverbandes und selbst Winzer, sieht die aktuelle Situation nicht als Überraschung. "Die jüngsten Entwicklungen treffen uns nicht unvorbereitet, denn wir setzen schon seit Jahren aktiv Schritte, um die Folgen des Klimawandels abzumildern." Tröpfchenbewässerung, biologischer Anbau auf 47 Prozent der Rebflächen - Wien führt bundesweit - und Humusaufbau schaffen Widerstandskraft. Doch Walter fordert mehr: "Jetzt brauchen wir jedoch möglichst rasch einen umfassenden Wassermanagement- und Wassersicherungs-Plan für die Wiener Stadtlandwirtschaft." Der Klimawandel werde künftig häufiger Dürre und Hitze bringen, weshalb Stadt und Landwirtschaft gemeinsam strategisch planen müssen.
Heurigen-Besuch als Rettungsmission
Bürgermeister Michael Ludwig hat eine ungewöhnliche Strategie gegen die Krise: "Jede und jeder kann einen Beitrag leisten, indem regionale Produkte nachgefragt und die Wiener Weinbaubetriebe sowie ihre Heurigen unterstützt werden." Das sei nicht nur Nostalgie, sondern Wirtschaftspolitik: "Das stärkt die Wertschöpfung vor Ort und hilft den Betrieben unmittelbar." Die Wiener Heurigenkultur - immaterielles Kulturerbe der Stadt - wird so zur Rettungsleine für eine Branche im Klimastress. Wer also nächste Woche einen Spritzer trinkt, leistet aktiven Klimaschutz. Mit besserem Gewissen schmeckt der Wein ohnehin besser.