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75 Prozent weniger Niederschläge
"Über alle Bundesländer hinweg verzeichnen wir in den vergangenen Wochen und Monaten massive Niederschlagsdefizite. In manchen Regionen fiel seit dem 15. Juni um mehr als 75 Prozent weniger Niederschlag als im 10-jährigen Niederschlagsmittel (2016–2025). Hinzu kommen Hitzetage (Tage mit Temperatur > 30 C) wie noch nie: 42 Hitzetage bis zum Stichtag 10. August, gemessen in Wien, Innere Stadt", so Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, im heutigen Pressegespräch mit Anders Levermann, Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.
Aufgrund dieser Rekordwerte gibt es Dürreschäden wie noch nie: Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft liegt bei 1 Milliarde Euro. Betroffen sind das gesamte Bundesgebiet und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja, aber auch regional Getreide. Traten früher Dürreschäden alle zehn Jahre auf, sind große Schäden mittlerweile alle zwei bis drei Jahre eingetreten. Das zeigt, dass die Landwirtschaft wie kein anderer Sektor vom Klimawandel betroffen ist. Die gute Nachricht ist: Die Risikovorsorge in der Landwirtschaft ist sehr hoch. 80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen sind gegen das Risiko Dürre versichert.
Wetter und Klima als Bedrohung
„Die physikalischen Grundlagen sind seit Langem bekannt und durch unzählige Studien bestätigt: Der Klimawandel ist menschengemacht. Was dabei häufig unterschätzt wird, ist die Dynamik, die uns noch bevorsteht. Das Klimasystem reagiert nicht linear – Wetterextreme nehmen dramatisch zu, und zudem gibt es kritische Schwellenwerte. Wenn diese überschritten werden, werden Prozesse ausgelöst, die nicht mehr umkehrbar sind. Einige dieser Schwellen sind bereits überschritten. Das bedeutet, dass Hitzewellen, wie wir sie heuer erleben, in Zukunft immer häufiger auftreten. Dennoch heißt es nicht, dass betroffene Systeme, wie das Schmelzen der Gletscher oder das Auftauen der Permafrostböden, sofort kollabieren. Diese Prozesse ziehen sich über Jahrzehnte hin und das bedeutet, dass wir für mehrere Generationen in einer Phase zunehmender Instabilität leben werden, mit mehr Wetterextremen und größeren Schwankungen, als wir es bisher gewohnt sind. Daher müssen wir jetzt handeln und nicht erst, wenn weitere Kipppunkte überschritten sind. Beim Klimaschutz geht es direkt um Lebensmittelversorgungssicherheit, um Wettbewerbsfähigkeit und um geopolitische Unabhängigkeit. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Nichthandelns sind enorm, sie übersteigen die Kosten einer konsequenten Transformation deutlich. Das müssen wir endlich ernst nehmen“, so der Experte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
Dürre dominiert Schadensbilanz
Die aktuelle, vorläufige Bilanz bringt folgende drei Erkenntnisse.
Erstens: Kein anderer Wirtschaftssektor ist so verwundbar wie die standortgebundene Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel. Rund 80 Prozent des Ertrags hängen unmittelbar vom Wetter ab. Viele bäuerliche Betriebe sind durch den vom menschengemachten Klimawandel massiv gefährdet. Die ständige Sorge um die eigene Existenz bedeutet für die betroffenen Landwirtinnen und Landwirte eine enorme psychische Belastung.
Zweitens: Die aktuelle Situation zeigt uns auf, dass nur mit einer Absicherung durch eine Dürreversicherung derartige Großschäden abgedeckt werden. Als agrarischer Spezialversicherer beweist die Österreichische Hagelversicherung, dass sie auch in besonders fordernden Zeiten ein verlässlicher Partner der Landwirtschaft ist: Durch Risikodiversifikation, eine Risikostreuung über unsere sechs Auslandsmärkte (CZ, HU, SK, SLO, RO, BG), eine starke Rückversicherung, der umfassendsten Produktpalette Europas sowie den Einsatz moderner Technologien bei der Schadenserhebung, wie beispielsweise die Verwendung von Satellitendaten. Wie der internationale Trend zeigt, braucht es aber auch ein umfassendes Public-Private-Partnership-Modell, damit die Versicherung für die Betriebe wirksam und leistbar bleibt.
Drittens: Der Selbstversorgungsgrad bei heimischen Lebensmitteln wird aufgrund der aktuellen Dürresituation bedingt durch den Klimawandel weiter deutlich zurückgehen. Verschärft wird diese Situation in Österreich zusätzlich durch die fahrlässige und ungebremste Verbauung unserer Äcker und Wiesen. So haben wir bereits jetzt beim Getreide nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 87 Prozent, beim Mais 83 Prozent, Kartoffeln 78 Prozent, bei Gemüse sind es 55 Prozent und bei pflanzlichen Ölen 26 Prozent. Die Ernteausfälle aufgrund des Klimawandels und des Bodenverbrauchs machen uns in der Zukunft noch abhängiger von Importen aus dem Ausland. Lebensmittelversorgung ist daher ein Sicherheitsthema!“
Strafzahlungen in Milliardenhöhe
Abschließend weist Weinberger auf die Notwendigkeit von mehr Klima- und Bodenschutz hin: „Nichtstun kommt uns sehr teuer, wie wir im heurigen Jahr sehen. Auch ein Verfehlen der österreichischen Klimaziele bis 2030 wird dem österreichischen Steuerzahler laut Rechnungshof Milliarden an Strafzahlungen bescheren. Zudem geht es beim Klimaschutz nicht nur um die Vermeidung von Schäden und Strafzahlungen in Milliardenhöhe, sondern es geht um die Zukunft der Menschheit und unserer Lebensräume.“ [mst]
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