Österreichs Spitzenweinbau steht vor einem historischen Wendepunkt: Eine Initiative engagierter Winzerinnen und Winzer rund um Armin Tement, Roland Velich und Andreas Wickhoff MW fordert mit einem Manifest ein modernes Weingesetz – eines, das Herkunft, Vielfalt und stilistische Eigenständigkeit wirklich in den Mittelpunkt stellt.
Vom Wiederaufbau zur Weltklasse: Warum das Weingesetz ein Update verdient
Als 1985 das damals neue österreichische Weingesetz beschlossen wurde, herrschten völlig andere Rahmenbedingungen als heute: Nach dem Weinskandal lag die heimische Weinwirtschaft wirtschaftlich wie reputativ am Boden. Im Mittelpunkt standen vor allem strenge Mindeststandards und der Wiederaufbau von Vertrauen, weniger die Differenzierung nach Herkunft oder stilistischer Eigenständigkeit. Auch bei der Einführung des ersten 'DAC'-Systems (Districtus Austriae Controllatus) im Weinviertel im Jahr 2003 ging es primär darum, klare Herkunftsprofile für Gebietsweine des Basis- und mittleren Segments zu definieren. Aktuell arbeitet das Landwirtschaftsministerium an einer Neufassung des Weingesetzes, da EU-rechtliche Änderungen eingearbeitet werden müssen. Für die österreichische Winzerschaft – und federführend Armin Tement, Roland Velich (Weingut Moric) und Andreas Wickhoff MW (Weingut Bründlmayer) – ein sinnvoller Zeitpunkt, das bestehende Herkunftssystem für das Topsegment zu hinterfragen und sich aktiv für ein zukunftsträchtiges System einzubringen.
Weltklasse im Glas, Paragraf auf dem Etikett: Die Spannung wächst
Denn heute präsentiert sich die Situation grundlegend anders als vor zwanzig, respektive vierzig Jahren: Das Herkunftssystem wurde in allen Weinbaugebieten etabliert, österreichische Weine genießen internationale Anerkennung, und Spitzenweine aus Österreich finden sich auf den Weinkarten der besten Restaurants der Welt. Doch gerade diese Entwicklung bringt zunehmend Spannungen mit einem Regulativ hervor, das aus einer anderen Zeit stammt. International höchstbewertete Weine aus eng definierten Lagen scheitern immer wieder am bestehenden Kontrollsystem für die staatliche Prüfnummer – und ohne diese darf die Herkunftsbezeichnung am Etikett schlicht nicht angegeben werden.
Handschrift statt Einheitsnorm: Das Manifest und seine Forderungen
Dabei entstehen zwischen Eisenberg, Wachau, Weinviertel und Südsteiermark heute höchst unterschiedliche Weinprofile, geprägt von individuellen Lagen, klimatischen Bedingungen und den Entscheidungen der jeweiligen Winzerinnen und Winzer. Genau diese Unterschiede lassen sich jedoch oft nur von jenen einordnen und verstehen, die über Jahre mit den jeweiligen Böden, Mikroklimata und Ausbauformen arbeiten. Die Initiatoren Tement, Velich und Wickhoff kritisieren daher, dass staatliche Kostkommissionen es oft sehr schwer haben, außergewöhnliche Herkunftsweine nach vergleichsweise einheitlichen sensorischen Maßstäben zu beurteilen. Gerade für Spitzenweine brauche es künftig mehr Freiheit, um individuelle Herkunft und persönliche Handschrift präziser abbilden zu können. Für diesen Zweck gründeten sie bereits 2020 die Initiative 'TU FELIX AUSTRIA… where do you go to, my lovely?', die kürzlich im Rahmen der Weinmesse VieVinum in der Wiener Hofburg eine vielbeachtete Diskussion zum Thema veranstaltete.
Über TU FELIX AUSTRIA… where do you go to, my lovely?
'TU FELIX AUSTRIA… where do you go to, my lovely?' wurde 2020 von Armin Tement, Roland Velich und Andreas Wickhoff MW gegründet, da die Weiterentwicklung des österreichischen Weins aus engeren Herkünften, der außerhalb des gewohnten Geschmacksmusters angesiedelt ist, seit Jahren problematisch ist. Sechs Jahre später wächst der Druck auf Politik und Kontrollsystem, sich der Debatte um Herkunft, Stilistik und Prüfmechanismen tatsächlich zu stellen. Die Initiatoren verstehen ihre Initiative als Weiterführung einer sachlichen und zukunftsorientierten Diskussion über den Progress des österreichischen Weinrechts – mit dem Ziel eines Weingesetzes, das der Vielfalt österreichischer Herkunftsweine und den Anforderungen eines international erfolgreichen Spitzenweinbaus künftig stärker Rechnung trägt. Das 'TU-FELIX-AUSTRIA'-Manifest ist öffentlich zugänglich; ein offener Brief kann von weiteren UnterstützerInnen unterzeichnet werden. Bereits zahlreiche steirische WinzerInnen – allen voran die 'STK-Gruppe' (Steirische Terroir- und Klassikweingüter) – stehen geschlossen hinter den Forderungen.