Was steckt wirklich auf unserem Teller? Österreichs BäuerInnen gehen gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium auf die Straße – und fordern das, was längst selbstverständlich sein sollte: eine lückenlose, verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Der Verein Land schafft Leben macht Druck. Zu Recht. wie auch wir meinen.
Ein System im Blindflug: Was KonsumentInnen nicht wissen dürfen
Wer im Restaurant speist oder im Supermarkt zur Fertigware greift, tappt in vielen Fällen im Dunkeln – zumindest was die Herkunft der Zutaten betrifft. Denn obwohl das Thema Transparenz seit Jahren auf der politischen Agenda steht, ist bis heute zu wenig passiert. 2023 wurde eine Regelung zur Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung eingeführt – doch sie gilt als halbherzig und ließ entscheidende Bereiche außen vor. In der Gastronomie und bei verarbeiteten Produkten im Supermarkt bleibt die Frage nach dem Ursprung der Zutaten für KonsumentInnen weitgehend unbeantwortet. Dahinter steckt kein Versehen, sondern ein strukturelles Problem: Echte Fortschritte werden hinter den Kulissen blockiert, während heimische Betriebe den Preis dafür zahlen. "Dass Bäuerinnen und Bauern und Ministerium heute geschlossen auftreten, ist ein Warnsignal. Wenn wir jetzt nicht handeln, verlieren wir die Grundlage unserer Lebensmittelproduktion", sagt Hannes Royer, Gründer von Land schafft Leben und selbst Bio-Bergbauer. Ein erster Lichtblick ist immerhin ein offenes Gespräch zwischen WKO-Gastroobmann Alois Rainer und Royer im Land-schafft-Leben-Podcast 'Wer nichts weiß, muss alles essen' – das zumindest zeigt: Bewegung ist möglich, wenn der Wille vorhanden ist.
Fairer Wettbewerb braucht Klarheit: Herkunft als Schutzschild für heimische Qualität
Für Österreichs BäuerInnen ist die Frage der Herkunftskennzeichnung keine abstrakte Debatte – sie ist eine Frage der Existenz. Importware aus Ländern mit deutlich niedrigeren Produktionsstandards konkurriert im Regal gleichwertig mit heimischen Produkten, ohne dass KonsumentInnen dies erkennen können. Das verzerrt den Wettbewerb zutiefst und bestraft genau jene, die in Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit investieren. "Die fehlende verpflichtende Herkunftskennzeichnung ist existenzbedrohend für unsere Bäuerinnen und Bauern. Dass sich Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig dafür einsetzt – und das, obwohl diese im Koalitionsprogramm nur auf Freiwilligkeit vereinbart wurde – ist richtig und notwendig. Regionalität sichert langfristig die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln", betont Royer. Alois Rainer, Gastroobmann der WKO, steht inzwischen zumindest im offenen Dialog mit Land schafft Leben – ein erster Schritt, dem nun aber konkrete Maßnahmen folgen müssen. Denn solange Transparenz optional bleibt, bleibt auch der faire Wettbewerb eine Illusion.
Transparenz ist machbar: Ein Best-Practice-Beispiel räumt die letzten Ausreden aus dem Weg
Wer behauptet, Herkunftskennzeichnung sei in der Gastronomie nicht umsetzbar, hat ein Problem: die Realität. Land schafft Leben hat gemeinsam mit den XXXLutz-Restaurants bewiesen, dass vollständige Transparenz funktioniert – alle Zutaten sind sowohl auf der Speisekarte als auch auf der Website klar ersichtlich. "Jahrelang hieß es, Herkunftskennzeichnung sei nur in der Kleingastronomie umsetzbar. Land schafft Leben hat jedoch mit den XXXLutz-Restaurants bewiesen: Es ist möglich. Das ist ein Best-Practice-Beispiel – allen Gegnern der Herkunftskennzeichnung geht damit die letzte Ausrede aus. Es zeigt: Transparenz funktioniert", so Royer. Und er ergänzt unmissverständlich: "Konsumentinnen und Konsumenten haben ein Recht auf Wahrheit am Teller. Wer die Herkunft verschweigt, nimmt ihnen bewusst die Entscheidungsfreiheit." Land schafft Leben bietet GastronominInnen und Gastronomen dabei praxisnahe Expertise an und zeigt, dass der Schritt zur Transparenz kein Kraftakt sein muss – sondern ein Gewinn für alle Beteiligten, vom Feld bis zum Teller.