Helga Philipp (1939–2002), eine prägende österreichische Schlüsselfigur zwischen Konkreter Kunst, Kinetismus und Op-Art, ist diese Ausstellung gewidmet.
Ausgehend von ihrer Ausbildung als Bildhauerin experimentiert Philipp mit industriellen Materialien wie Glas, Plexiglas, Metallspiegeln oder Aluminium und überschreitet dabei die Grenzen der Fläche.
In Raum 1 ziehen Werke aus Metall, in Farbe, mit Bleistift und Öl gemalten und Plastik in Ebenen in den Bann; Raum 2 widmet sich Kreisen in Drucktechnik, präzise gemalt, und mehreren Spiegelebenen; in Raum 3 ziert ein ein Domino den Raum während eine flexible Sofalandschaft gegen wirkt.
Die Künstlerin Helga Philipp entwickelt ab den 1960er-Jahren eine Bildsprache, die Wahrnehmung ins Zentrum rückt. Klare Ordnungen, einfache formale Elemente und serielle Strukturen bilden die Grundlage ihrer Arbeiten, deren Wirkung sich je nach Betrachtung verändert. Als Teil einer Kunstrichtung, die sich von gestischer Malerei abwendet und visuelle Wahrnehmung zum Gegenstand macht, setzt sie mit ihrem Werk einen bewussten Gegenpol zu den expressiven Strömungen der Nachkriegszeit. Über Ausstellungen wienova tendencija 1965 und 1969 in Zagreb oder Kinetika 1967 in Wien ist sie früh in internationale Netzwerke eingebunden.
Durch Überlagerungen, transparente Schichtungen und räumliche Konstruktionen erzeugen ihre Werke nicht nur optische Effekte, sondern oszillieren zwischen Bild und Objekt. Sie beziehen den realen Raum ebenso ein wie die Bewegung der Betrachter:innen. Die Schau versammelt Werke aus vier Jahrzehnten und zeigt die Bandbreite ihres Schaffens in Malerei, Grafik und Objektkunst.
Mich haben sowohl ihre sehr feine Art zu Zeichnen und zu Malen faszininiert. Ihre Art Kreise zu Mustern und in Quasi-Bewegungen zu verbinden hat etwas Meditatives. Feine Zeichnungen auf Spiegel simulieren Bewegung durch Präzision in der Arbeit, und öffnen spirituelle Türen.
Viel Freude in der Auseinandersetzung mit diesen ruhig-spannenden Werken.
Biographisches : Helga Philipp wird in Wien am 2. Juni 1939 in Wien geboren und studiert ab 1953 an der heutigen Universität für angewandte Kunst Wien. Von 1965 bis 2002 ist sie dort als Assistenzprofessorin tätig. In ihrer Lehre vermittelt sie zentrale Fragestellungen ihres eigenen künstlerischen Ansatzes und prägt eine Generation von Künstler:innen, die sich mit Wahrnehmung, Raum und systematischen Strukturen auseinandersetzen. Sie starb am 5. November 2002 in Wien.