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Vom 15. Mai bis zum 21. Juni ist in Wien Festspielzeit
copyright: Kampagne: TBWA, Fotograf: Robert Staudinger
© Kampagne: TBWA, Fotograf: Robert Staudinger
  

An 34 Orten in ganz Wien ist die Freie Republik vom 15. Mai bis zum 21. Juni präsent, wobei das pulsierende Herz, das Haus der Republik, dieses Jahr auf dem Badeschiff Wien zu finden ist. Die große Eröffnung wird am Held:innenplatz gefeiert – aber erst am 22. Mai! ab 26. Februar gehen 50.000 Tickets für 35 Produktionen (13 davon Weltpremieren) in den Verkauf.

Die Republic of Gods ruft 2026 – zum 75. Jubiläum der Wiener Festwochen – einen „Heiligen Frühling“ aus: eine mythische Feier der Gotteskritik und Gottessehnsucht. Natürlich ist die Republic of Gods vor allem eines: radikale Kunst! Die große Eröffnung wird am Held:innenplatz gefeiert – aber erst am 22. Mai! Die Jubiläumsproduktion "Das beste Stück aller Zeiten" von Milo Rau holt unvergessliche Momente aus 75 Jahren Wiener Festwochen ebenso zurück wie nie erzählte Geschichten um Liebe und Tod, Skandal und Schönheit, Kunst und Revolte – angerichtet als irre Publikums-Revue.

Von Glaubenssystemen, Bildern und Sagen

Um neue und alte Glaubenssysteme, kirchliche, kunstgeschichtliche und populärkulturelle Götter und Göttinnen, um Bilder und Sagen, die unser Empfinden, unser Leben und unsere Gesellschaft bestimmen, dreht sich das diesjährige Programm. Von der amerikanischen Performance-Ikone Narcissister bis zu Thorsten Lensings Schauspieler:innen-Fest Tanzende Idioten, von der rebellischen Sci-Fi-Religion von Rébecca Chaillon bis zu den leisen, spirituellen Arbeiten von Cris Moreira und Kur? Tanino und schließlich zum weltweit gefeierten Chineke! Orchestra – von allen Kontinenten strömen die Künstler:innen in die Republic of Gods!

Wien-Liebling Susanne Kennedy unterzieht Wagners Parsifal einer spirituellen Neuinterpretation, der Mythomane Christoph Schlingensief bekommt eine Einzelausstellung im MAK, das Wiener enfant terrible Florentina Holzinger inszeniert ein Pfingstspiel und Romeo Castellucci hinterfragt unser Gott-Spielen über den Tod. Während die „Godmother of Punk“ Patti Smith zu gleich drei Events lädt, kommt Festwochen Mythos Robert Wilson posthum mit einer seiner letzten Inszenierungen The Tempest in die Republic of Gods – und Inna Shevchenko der ukrainischen Aktivismus-Gruppe FEMEN hält eine feministische Performance-Predigt. In einem Glaubenstribunal gehen wir in drei schockierenden Fällen den dunklen Seiten des Glaubens auf den Grund: Wo verbünden sich Kirche und Staatsmacht und werden zur Gefahr für Kunst- und Meinungsfreiheit? Was geschieht, wenn ein selbst ernannter Gottesstaat sich, wie im Iran, gar gegen seine eigenen Bürger:innen wendet? Und wo setzt sich – ganz im Gegenteil – die säkulare Gesellschaft über die Gefühle der Gläubigen hinweg?

Götterdämmerung

Vom unsterblichen Mythos des Vampirs – reanimiert vom französischen Starregisseur Philippe Quesne in Vampire’s Mountain – bis zu brasilianischen Widerstandsstrategien und -mythen (Repertório N.1), von der Legende des Wilden Westens (Dark Noon) über das arabische Ban? Hil?l Epos bis zur Ilias, die mit The Day Before von der Komponistin Brigitta Muntendorf und der Regisseurin Christiane Jatahy völlig neu erzählt wird, bleibt kein Mythos, keine Gottheit, keine Sagengestalt unberührt. Und der Thailänder Wichaya Artamat dekonstruiert mit Juggle & Hide den wohl wirkkräftigsten Kunst-Mythos: den des allmächtigen Regisseurs. Aber was kommt nach der Götterdämmerung? Mit Wallden erschafft die Wiener Gruppe Nesterval eine komplette postapokalyptische Kommune. Mit Songs of Winter War stellt sich das Kyjiwer Kollektiv Opera Aperta in der Form einer mythologischen Reise vom usbekischen Aralsee über die ukrainischen Karpaten bis zum kantabrischen Winterkarneval die Frage: Wie Oper und Musiktheater machen in den Zeiten eines Vernichtungskrieges? Und der schwedische Theatermacher Mattias Andersson schenkt mit Mythen des Alltags den Festwochen ein völlig diesseitiges Epos: einen Abend, gestaltet aus den spirituellen Erleuchtungen und Götterdämmerungen der Wiener:innen selbst!

Spezieller Mythos

Im Zentrum der Republic of Gods steht 2026 jedoch ein ganz spezieller Mythos: der der Festwochen selbst. Fünfeinhalb Wochen lang folgen wir den verschlungenen Wegen des größten Crossover-Festivals Europas – von der Gründung 1951 über die Erneuerungsbewegungen der 60er und 80er bis in die Freie Republik Wien. Wir geben Zugang zu einem umfassenden Online-Archiv, eröffnen ein Kino der Republik mit Filmen und Aufzeichnungen aus 75 Jahren Festwochen. Das Ganze wird komplettiert von einer Plakatausstellung und einem ganz neu hergestellten Dokumentarfilm zu den Festwochen – und noch etwas kehrt zurück: das mythische Festwochen W, global und synkretistisch upgedatet für die Republic of Gods! Doch damit längst nicht genug, denn auch 2026 werden die Festwochen wieder zum diskursiven Hotspot der Saison! Sei es bei den Diskurs- (Holy Spring) und Performance-Reihen (Mythical Ark) auf dem Badeschiff (Haus und Club der Republik), wo sich Glaubens-Extremist:innen und rechte wie linke Prophet:innen, Endzeit-Prediger:innen und Gottessucher:innen das Mikrofon in die Hand geben – und die Festwochen Band Gods Republic gleich 5 Konzerte veranstaltet, von Death Metal bis Spiritual Folk. Auch die rein weibliche Komponistinnen*-Akademie – die Akademie Zweite Moderne – lädt wieder 10 weltweit führende Komponistinnen* nach Wien ein und diskutiert beim Gipfeltreffen Fragen rund um Aneignung in der Musik. So lädt sich die Freie Republik die ganze Welt nach Wien ein – kämpferisch und (selbst)kritisch. Denn auch im 75. Jubiläumsjahr gilt in der Freien Republik der republikanisch-anarchische Grundsatz: Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers! It’s Time for New Gods – von allen für alle! 3

[mst]

Link zu: Wiener Festwochen

copyright: Annemarie Augustijns
© Annemarie Augustijns

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