Die Einführung strengerer Nutri-Score-Bewertungskriterien seit Januar führt zu einem bemerkenswerten Rückzug namhafter Lebensmittelhersteller aus dem freiwilligen Kennzeichnungssystem. Eine aktuelle foodwatch-Analyse zeigt, dass 33 in Deutschland registrierte Unternehmen, darunter Branchenriesen wie PepsiCo, Danone und Alpro, die Verwendung des Nutri-Scores zumindest teilweise eingestellt haben.
Transparenz nur bei guter Bewertung
"Die selektive Nutzung des Nutri-Scores offenbart eine problematische Praxis der Lebensmittelindustrie", erklärt Luise Molling von foodwatch. Besonders auffällig: Unternehmen wie PepsiCo behalten die Kennzeichnung nur bei positiv bewerteten Produkten bei, während sie diese bei schlechter eingestuften Artikeln entfernen. Die Organisation fordert daher Bundesernährungsminister Rainer auf, den Nutri-Score verpflichtend einzuführen.
Deutliche Veränderungen durch neue Berechnungsmethode
Die Überarbeitung der Bewertungskriterien führt zu teilweise drastischen Änderungen: Süßstoffhaltige Getränke und zuckerreiche Produkte werden strenger beurteilt. Beispielsweise fällt Pepsi Zero von B auf C, während Actimel classic sogar von B auf E zurückgestuft wird. Auch Grundnahrungsmittel wie Harry Brot Schnittbrot rutschen von A auf C ab.
Wissenschaftlich fundierte Neubewertung
Die neue Berechnungsmethode wurde von einem unabhängigen wissenschaftlichen Gremium entwickelt und berücksichtigt aktuelle Erkenntnisse zur Ernährungsphysiologie. Die strengeren Kriterien für Zucker, Fett und Salz sollen Verbrauchern eine bessere Orientierung für gesunde Ernährungsentscheidungen bieten.
Ruf nach verbindlicher Regelung
Mit rund 960 registrierten Unternehmen und 1420 Marken hat der Nutri-Score bereits eine beachtliche Reichweite erreicht. "Nur eine verpflichtende Kennzeichnung kann jedoch echte Transparenz für Verbraucher gewährleisten", betont foodwatch. Die Organisation sieht in der aktuellen Entwicklung einen klaren Beleg für die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung.