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Frauen in der Land- und Forstwirtschaft
“In den nächsten zwölf Monaten erhalten Sie durch Artikel, Reportagen, Faktenblätter, Veranstaltungen, Pressekonferenzen und über Social Media-Beiträge Einblick in das Leben und Wirken von Frauen, deren Beitrag nicht selten als selbstverständlich angesehen wird. Sie erfahren, was es bedeutet, Bäuerin zu sein, welche Stärken und Talente diese Frauen mitbringen und welchen Herausforderungen sie sich stellen. Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 gibt uns als Bäuerinnenorganisation die Möglichkeit, einer breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen, wie vielfältig die Frauen auf unseren Höfen sind, welche Klischees sie sprengen, welche Grenzen sie überwinden und auch, wo sie der Schuh drückt“, geben Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger und ihre beiden Stellvertreterinnen, Claudia Entleitner (Sbg.) und Astrid Brunner (Ktn.), die Richtung für dieses besondere Jahr vor.
“Wir werden Frauen vorstellen, die neu in die Landwirtschaft eingestiegen sind und aufzeigen, welche Herausforderungen sie überwinden mussten, um ihren Platz am Hof zu finden. Sie werden Landwirtinnen kennenlernen, die sehr erfolgreich innovative Betriebszweige aufgebaut haben, oder jene, die neben Familie und Betrieb als Funktionärinnen gestalterisch tätig sind. Kompetent, vielseitig und engagiert eben.“
“Wo Frauen wirken, wächst Zukunft“
In Österreich werden 36% der rund 101.000 landwirtschaftlichen Betriebe von einer Frau geleitet (36.035 Betriebe laut Agrarstrukturerhebung 2023), in weiteren 12% der Fälle partnerschaftlich gleichberechtigt. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich im Spitzenfeld. Frauen spielen damit in der heimischen Land- und Forstwirtschaft und für die Versorgungssicherheit eine größere Rolle, als man annehmen würde. Sie sind vielseitig, packen dort mit an, wo Hilfe nötig ist und halten mit ihrer Flexibilität und ihrem Arbeitseinsatz Familie und Hof am Laufen. Besonders zeichnen sie sich durch Ideenreichtum, Innovationsstärke und Mut aus und sind damit oft Motor des bäuerlichen Betriebes.
“Das setzt voraus, dass man Frauen den Raum gibt, sich zu entfalten, ihre Ideen umzusetzen und mitgestalten zu können“, betont die Bundesbäuerin mit Blick auf die “Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung“, die seit 2017 Grundlage für Gleichstellung in der heimischen Land- und Forstwirtschaft ist und bisher von 24 Partnerorganisationen auf Bundesebene und weiteren 90 in den Ländern umgesetzt wird. “Die Bäuerinnen haben etwas zu sagen und bringen sich in Organisationen, Verbänden und auf politischer Ebene ein. Dafür haben bisher etwa 600 den ZAMm unterwegs-Lehrgang “Professionelle Vertretungsarbeit im ländlichen Raum“ absolviert und viele von ihnen sind seitdem in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes aktiv eingebunden“, fasst Bundesbäuerin-Stellvertreterin Claudia Entleitner zusammen. Als Leitsatz für 2026 hat die Bäuerinnenorganisation in Österreich nicht von ungefähr gewählt: “Wo Frauen wirken, wächst Zukunft“.
Bäuerinnen Österreich
Unterstützung erhalten die Frauen auf den Höfen seit mehr als 50 Jahren von der Bäuerinnenorganisation. Als Interessenvertretung für rund 130.000 Frauen aus der Land- und Forstwirtschaft und dem ländlichen Raum, die von der Orts- bis zur EU-Ebene vernetzt ist, setzt sie sich dafür ein, den Selbstwert der Frauen in dieser wichtigen Branche zu stärken, Gleichberechtigung zu fördern und die agrarische Welt aktiv mitzugestalten. “Unsere Aufgabe ist es, die Frauen durch Bildungs- und Beratungsangebote in ihrer Arbeit auf dem Hof zu unterstützen und dazu beizutragen, dass sie sozialrechtlich abgesichert sind“, so Entleitner. Zu den Erfolgen der größten Frauenorganisation am Land zählt u.a. der gesetzliche Mutterschutz (1982) und die Einführung des Karenzgeldes für Bäuerinnen (1991) sowie die Bäuerinnenpension (1992), Erhöhung des Wochengeldes (2013) oder der Angehörigenbonus für pflegende Angehörige (2023).
4 Punkte-Plan
Das Internationale Jahr der Bäuerin ist Anlass, dafür zu sorgen, dass sich die Situation der Frauen verbessert. Kernpunkte dazu hat die Bäuerinnenorganisation in Österreich in einem 4-Punkte-Plan zusammengefasst:
1.Finanzielle und rechtliche Absicherung vorantreiben, den Bäuerinnen erhalten mit durchschnittlich 813 Euro eine sehr niedrige Pension und dem gilt es durch rechtzeitige Sensibilisierung entgegenzuwirken.
2.Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Förderpolitik gendersensibel gestalten. Hilfreich wäre die gezielte Förderung von Frauenprojekten (wie z.B. in Spanien, Kroatien) in möglichen Übergangsjahren der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik nach 2028. Als Expertinnen für Diversifizierung und neue Einkommensquellen tragen Bäuerinnen maßgeblich zum Betriebseinkommen bei - mit Direktvermarktung (ca. 38.000 Betriebe), Urlaub am Bauernhof (7.400 Betriebe), Schule am Bauernhof (644 Betriebe), Seminarbäuerinnen (330 an der Zahl) oder Green Care (132 zertifizierte Betriebe). Wie
3.Gesundheit und Care Arbeit absichern Bei aktiven Bäuerinnen führt der Workload immer mehr zu Überlastungen. Sie brauchen Gesundheitsangebote und auch die Möglichkeit, dies zu nutzen, um den Arbeitsdruck und die Herausforderungen bewältigen zu können. Dazu zählt auch der Ausbau niederschwelliger Angebote für die psychische Gesundheit auf den Höfen.
Wichtig ist auch, dass der Bezug von Leistungen wie z.B. dem Wochengeld, die die Care-Arbeit der Bäuerin unterstützen soll, nicht an Verwaltungshürden scheitert.
4.Gleichstellung und paritätische Repräsentanz konsequent ausbauen. In den Vollversammlungen der Landwirtschaftskammern konnte der Frauenanteil in den vergangenen Jahren sukzessive auf durchschnittlich 25% erhöht werden. Das ursprüngliche Ziel der Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung von 30% sollte langfristig in der Geschlechterparität in den agrarischen Gremien münden.
“Dass Bäuerinnen noch immer strukturell benachteiligt werden und unterrepräsentiert sind, ist kein Frauen-, sondern ein Gesellschaftsproblem. 2026 soll das Jahr werden, in dem die Bäuerinnen jene Wertschätzung, die sie für ihre großartigen Leistungen verdienen, auch erhalten. Denn selbstbewusste Bäuerinnen bedeuten starke Betriebe, lebenswerte Regionen und ein sicheres Leben. Die Zeit zu handeln ist jetzt!“, so Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger abschließend. [mst]
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