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Ausstellungsbericht
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the body electric: Erwin Osem - Egon Schiele
Egon Schiele, Erwin Dominik Osen als Akt mit überkreuzten Armen, 1910
© Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger
  

Im Rahmen der Dauerpräsentation Wien 1900 widmet das Leopold Museum mit dieser Ausstellung den kaum bekannten Darstellungen von Patient/innen in medizinischen Einrichtungen von Erwin Dominik Osen (1891–1970) und seinem Künstlerfreund Egon Schiele (1890–1918) eine wunderbare sehenswerte Fokusausstellung.

  

von: 16.Apr 21
bis: 26.Sep 21


Leopold Museum im MQ
Museumsplatz 1 im MQ
1070 Wien, AT
Tel: +43 1 525 70 -0
Fax: +43 1 525 70 -1500
Email: office ::: leopoldmuseum. org
http://www.leopoldmuseum.org/

Öffnungszeiten:
Mi - So: 10 - 18 Uhr



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Im Zentrum stehen kürzlich im Nachlass des Elektropathologen Stefan Jellinek (1871–1968) entdeckte, vom Leopold Museum erworbene Porträts von Osen, der sowohl Weggefährte und Modell Schieles, als auch Mitbegründer der Neukunstgruppe war.

Die 1915 im Wiener Garnisonsspital II unter Jellinek angefertigten Zeichnungen werden seinen bereits 1913 im Auftrag des Allgemeinmediziners Adolf Kronfeld (1861–1938) in der psychiatrischen Klinik Am Steinhof entstandenen Patientenporträts sowie jenen Darstellungen von Schwangeren und Neugeborenen gegenüber gestellt, die Schiele 1910 durch die Unterstützung des Gynäkologen Erwin von Graff (1878–1952) in der II. Frauenklinik anfertigen konnte. Die Präsentation behandelt Fragen zum Entstehungshintergrund der Werke, zu Blickregime und Objektifizierung, sie skizziert darüber hinaus die biografischen Berührungspunkte zwischen den beiden Künstlern und reflektiert über ihren jeweiligen Beitrag zu einer „klinischen Moderne“.

Die präsentierten Patient/innendarstellungen von Osen entstanden vermutlich im Auftrag des in Wien tätigen Mediziners Stefan Jellinek, der seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt ab den späten 1890er-Jahren auf die Erforschung der Gefahren, aber auch der medizinischen Anwendungsmöglichkeiten von Elektrizität legte. Sein Fokus lag sowohl auf Dokumentation und Behandlung wie auch auf Prävention, sein Ansatz war multidisziplinär und auf internationale Vernetzung ausgerichtet.

1903 begründete Jellinek mit einer Publikation zur Elektropathologie eine neue Forschungsrichtung, baute sukzessive eine Sammlung von Objekten, Präparaten, Moulagen, Zeichnungen und Fotografien auf und gründete 1909 das Elektropathologische Museum. Als Leiter der neurologischen Abteilung am Garnisonsspital II während des Ersten Weltkriegs befasste sich Jellinek mit der therapeutischen Kraft der Elektrizität, entwickelte mechanische Apparaturen zur Heilung und setzte elektrischen Strom als ebenso gängige wie umstrittene Form der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen von Soldaten ein. Zum einen sollten diese dadurch wieder einsatzfähig gemacht werden, zum anderen wollte man vermeintliche Simulanten von tatsächlich Kranken unterscheiden. Die im Rahmen der Schau präsentierte Auswahl von Zeichnungen, Fotografien und Schautafeln aus Jellineks Elektropathologischer Sammlung, die heute großteils im Technischen Museum verwahrt wird, stammt mehrheitlich aus dieser Zeit.

Kurz nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Jellinek aufgrund seiner jüdischen Herkunft in den Ruhestand versetzt, sein Elektropathologisches Museum wurde beschlagnahmt und ging in den Besitz der Universität Wien über, Jellinek emigrierte nach England. 1946 wurde ihm das Elektropathologische Museum zurückgestellt, die Sammlung verblieb in Wien und wurde von Jellineks Sohn nach dessen Tod der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt und dem Österreichischen Verband für Elektrotechnik übereignet. Als Schenkungen gelangte ein Großteil davon in die Sammlung des Technischen Museums, einige Präparate in jene des Naturhistorischen Museums.

Osen, dessen chronische Neurasthenie oder „Nervenschwäche“ sich im Zuge von Grundausbildung und Militärdienst verschlimmert hatte, war im Frühjahr 1915 selbst Patient der Nervenabteilung des Garnisonsspitals II am Rennweg; seine Serie von neun empathischen Porträts entstand sowohl während als auch nach seinem stationären Aufenthalt. Die Zeichnungen von Soldaten, die wohl auch elektrotherapeutisch behandelt wurden, betonen deren Verletzlichkeit und Menschlichkeit.

Es ist nicht bekannt ob Osens sorgfältige, individualisierende Studien tatsächlich Auftragsarbeiten oder Teil seines eigenen Rehabilitationsprogramms waren, doch bereits 1913 hatte er im Auftrag von Adolf Kronfeld in der psychiatrischen Klinik Am Steinhof Patientenporträts angefertigt, die zur Bebilderung eines Vortrags eingesetzt wurden und von denen zwei in der Ausstellung zu sehen sind. Ein ähnlicher Verwendungszweck für die im Garnisonsspital entstandenen Zeichnungen scheint plausibel.

Die Ausstellung kontextualisiert Osens Porträts von Patient*innen mit Schieles einige Jahre zuvor entstandenen Darstellungen von Neugeborenen und Patientinnen der Entbindungsstation der II. Frauenklinik, die ihm der dort tätige Gynäkologe Erwin von Graff ermöglicht hatte. Anders als Osen vermerkte Schiele auf seinen Blättern weder den Entstehungsort noch die Namen der Dargestellten. Schiele tilgte den klinischen Kontext aus seinen Zeichnungen, wissend um die Macht des negativen Raumes wie um die Präsenz des Abwesenden. Stattdessen werden der klinische Raum und die klinische Begegnung durch die Linien des weiblichen Körpers beschrieben – eines Körpers als Stückwerk, kontrolliert und fixiert.

Die Fokusausstellung umreißt neben dem thematischen Schwerpunkt schlaglichtartig auch die nicht konfliktfreie aber fruchtbare Verbindung der beiden so unterschiedlichen Künstler – galt Osen als exaltierter Selbstdarsteller, wurde Schiele von Zeitzeugen als zurückhaltend beschrieben. Während Werk und Leben Schieles seit Jahrzehnten intensiv und international beforscht werden, ranken sich um Osen Fiktionen und Gerüchte, sein bildnerisches Œuvre blieb bisher weitgehend unbeachtet und ist teils verschollen.

Die biografischen Berührungspunkte zwischen den beiden fast Gleichaltrigen sind für die Jahre 1909 bis 1914 unter anderem durch eine durchgehende Korrespondenz belegt. In der Schau thematisiert werden ausgehend davon der gemeinsam in Krumau verbrachte Sommer 1910, Schieles im selben Jahr entstandene Porträts des „Mimen van Osen“ und die Spuren der bosnischen Tänzerin Moa Mandu in den Werken beider Künstler.

[pge]

Josef Heu, „Brandwunden und Metall- u. Russimprägnierung der Haut durch elektrischen Kurzschluss am 21.V.1917. Garnisons-Spital Nr. 2.“, 1917
© Technisches Museum Wien / Josef Heu

Ausstellungsansichten The Body Electric
© Leopold Museum, Wien, Foto: Lisa Rastl

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