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Ausstellungsbericht
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Dalí – Freud -- Eine Obsession
Salvador Dalí, Bildnis Sigmund Freud, 1938
© Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022
  

Salvador Dalí und Sigmund Freud. In den surrealistischen Bildwelten des Künstlers lässt sich deutlich eine intensive Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse erkennen. Kannten sich die beiden tatsächlich? 

  

von: 28.Jan 22
bis: 29.May 22


Unteres Belvedere
Österreichische Galerie Belvedere
Rennweg 6
1030 Wien, AT
Tel: + 43 1 79 557 200
Email: info ::: belvedere. at
http://www.belvedere.at/

Öffnungszeiten:
tgl.: 10 - 18 Uhr



Karten mit Ziel und
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Die Geschichte ist so komplex wie ihre Protagonisten: Dalí entdeckte in den 1920er-Jahren die Schriften Freuds und war gebannt, ja: besessen! Von ihnen beeinflusst entwickelte er eine bis heute einzigartige Bildsprache. Freuds Skepsis gegenüber dem Surrealismus war jedoch groß. In Wien versuchte Dalí, sein Idol zu treffen – umsonst. Erst im Sommer 1938 kam eine erste und einzige Begegnung in London zustande. Dennoch bilden Dalís Erinnerungen an Wien ein faszinierendes Motiv für diese Ausstellung.

Wien, 25. April 1937: Salvador Dalí steigt im Hotel Krantz-Ambassador ab. Wieder einmal hofft er darauf, Sigmund Freud zu treffen. Er möchte ihn von seiner „paranoisch-kritischen Methode“ überzeugen, Anerkennung für einen künstlerischen Ansatz erhalten, der auf den Theorien der Psychoanalyse basiert und den er für seinen größten und wichtigsten Beitrag zum Surrealismus hält. Doch es gelingt ihm nicht, den Vater der Psychoanalyse zu treffen. Salvador Dalí streift durch Wien und spielt im Geiste die ersehnten Gespräche mit Freud durch. Davon zeugen detaillierte Berichte in Dalís 1942 erschienener exzentrischer Autobiografie. Der Künstler selbst lässt sich ganz nebenbei von der Stadt und ihrer Kunst inspirieren. Zu einer tatsächlichen Begegnung wird es erst später kommen: Am 19. Juli 1938 trifft Salvador Dalí – auf Initiative des Schriftstellers Stefan Zweig und des Mäzens Edward James – Sigmund Freud in London.

Diese wunderschön gestaltete und sehr interessante Ausstellung verfolgt chronologisch die Zeit von Dalís Entdeckung der Schriften Freuds bis zum persönlichen Kennenlernen der beiden. Wie sehr hat die Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse Dalí in seinem Schaffen beeinflusst? Wie äußert sich in Dalís Werk die Verbindung von Freud’schen Konzepten mit Motiven aus dem persönlichen Kosmos des Künstlers?

Kurator Jaime Brihuega: „Für Dalí war die Lektüre Freuds eine faszinierende Offenbarung. Durch Freuds Theorien erlangte er Verständnis der Fantasien, Ängste, Wünsche und Frustrationen seiner Innenwelt. Das ermutigte ihn auch, diese in Bilder zu verwandeln, die Teil unseres kunsthistorischen Allgemeinguts geworden sind.“

Die Schau stellt eingangs Dalís Familienuniversum und seine Auseinandersetzung mit den komplexen Verwandtschaftsverhältnissen in seiner Kunst vor; sie führt weiter ins Madrid der 1920er-Jahre, wo Dali in der Residencia de Estudiantes einen Hort des offenen Diskurses und des interdisziplinären Austauschs zwischen künstlerischer Avantgarde und Wissenschaft vorfand. In diesem befruchtenden Klima stieß er erstmals auf die Schriften Freuds, die ab 1922 in spanischer Sprache erschienen. Die Lektüre der Traumdeutung wurde für den jungen Künstler zu einer der wichtigsten Erfahrungen seines Lebens.

Noch in Madrid kam Dalí ab dem Jahr 1925 mit den Ideen des Surrealismus in Berührung. Aus der Fülle von Einflüssen entwickelte der Künstler Ende der 1920er Jahre seine persönliche Ikonographie und legte die Grundbegriffe seiner surrealistischen Bildsprache fest. Zugleich fanden Freuds Theorien verstärkt Niederschlag in seinem Schaffen. Die zu diesem Thema gezeigten Werke zeichnen sich durch Anspielungen auf den Traum, auf Schuldgefühle oder auch auf sexuelle Obsessionen aus. 1929 lernte Dalí seine spätere Gefährtin Gala kennen. Mit ihr zog er nach Paris, wo er sich der Gruppe der Surrealisten um André Breton anschloss und gemeinsam mit Luis Buñuel die beiden Filme Un Chien Andalou (1929) und L'Âge d'Or (1930) drehte.

In Gemälden wie Paranonïa (um 1935) und Schwäne spiegeln Elefanten wider (1937) setzte Dalí Kippbilder ein: je nachdem welches Bildmotiv fokussiert wird, stellen sie Verschiedenes dar. Der jeweilige Bildeindruck wird durch den Einfluss eines irrationalen Moments geprägt. Betrachtende sehen, was sie sehen wollen oder sogar was sie sich zu sehen einbilden. Die Entwicklung dieser „paranoisch-kritischen Methode“ wird in der Schau ebenfalls ausführlich beleuchtet.

Anhand von Gemälden, Zeichnungen, surrealistischen Objekten, Fotografien, Filmen, Büchern, Zeitschriften, Briefen und anderen Dokumenten spürt die Ausstellung der Anziehungskraft sowie der Inspiration, die Freud auf Dalí ausübte, nach. Mit ihrem Fokus auf Dalís junge Jahre und seine freudianische Schaffensperiode erschließt die Schau die Entwicklung eines Künstlers, dessen Œuvre zum kollektiven Kanon der Kunst des 20. Jahrhunderts zählt und das in mannigfaltigen Reproduktionen popularisiert worden ist.

Zu sehen sind rund 100 Werke, darunter ca. 25 Ölbilder mit Highlights wie die Gemälde Neokubistische Akademie (1926), Das finstere Spiel (1929) oder Schwäne spiegeln Elefanten wider (1937). Leider ist die Beleuchtung der Bilder nicht wirklich gelungen, denn am oberen Bildrand werfen die Rahmen irritierende Schatten.

[pge]

Salvador Dalí, Ohne Titel. Schlafende Frau in einer Landschaft, 1931
© Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2022

Ausstellungsansicht Dalí-Freud. Eine Obsession
© Johannes Stoll / Belvedere, Wien

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