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Ausstellungsbericht
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Die Donau - Eine Reise in die Vergangenheit
Reiher, Österreichische Nationalbibliothek
© Österreichische Nationalbibliothek
  

Die Donau durchfließt auf über 2.800 Kilometern zehn Länder – so viele wie kein anderer Fluss der Erde. Mit diesem riesigen Einzugsgebiet ist sie eine wahre Lebensader für Europa. Diese Ausstellung porträtiert diesen einmaligen Natur-, Kultur- und Lebensraum und ladet mit Exponaten, von denen viele erstmals öffentlich zu sehen sind, zu einer „Reise in die Vergangenheit“ ein, die den gesamten Flusslauf von den Quellen im heutigen Deutschland bis zur Mündung im Schwarzen Meer abdeckt.

von: 4.May 21
bis: 7.Nov 21


Österreichische Nationalbibliothek
Prunksaal
Josefsplatz 1
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 534 10 -394
https://www.onb.ac.at/museen/pru...

Öffnungszeiten:
Di - So 10 - 18 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Die einzelnen Abschnitte der Schau thematisieren die Donau als Grenze, als verbindendes Element, als wichtigen Transportweg und als einmalige Naturlandschaft. Die Donau als Sehnsuchtsraum zeigt sich in den literarischen Texten etwa von Ingeborg Bachmann und Peter Handke und den farbenprächtigen Aquarellen von Jakob und Rudolf Alt. Diese Kunstwerke stammen wie die dokumentarischen Fotografien von der Regulierung der Donau oder die historischen Pläne und Handschriften zu den Befestigungsanlagen entlang der Donau aus den reichhaltigen Beständen der Bibliothek.

Den Höhepunkt der Ausstellung bildet eine spektakuläre, 44 Meter lange Reproduktion der berühmten Pasetti-Karte. Diese ab 1857 vom k.k. Staats-Ministerium herausgegebene Landkarte bietet eine äußerst präzise Darstellung der Donau auf dem Gebiet der Habsburgermonarchie: Mitten im Prunksaal kann man damit den Fluss von Passau bis zum Eisernen Tor in wenigen Minuten abschreiten.

Die Donau ist mit über 2.800 Kilometern Länge nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Mit Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und Ukraine durchfließt sie zehn Länder – so viele wie kein anderer Fluss auf der Erde. Gleich vier Hauptstädte – Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad – liegen an ihren Ufern. Für das Habsburgerreich war sie eine Lebensader, wie kein anderer Fluss verband sie die vielen Reichsteile und Völkerschaften.

In den Akten des Wiener Kongresses wurde erstmals festgelegt, dass internationale Flüsse allen Staaten für die Handelsschifffahrt offenstehen müssen und das galt natürlich auch für die Donau. Aber erst durch Garantien der europäischen Mächte im Frieden von Paris, der 1856 den Krimkrieg beendete, konnte die Internationalisierung der Donau durchgesetzt werden. Die bald danach erfolgte Regulierung und Schiffbarmachung des Flusses war daher eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte in der Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph I. 1992 wurde schließlich der Main-Donau-Kanal eröffnet, wodurch es erstmals eine durchgehende Wasserstraße zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer gab.

Knapp 150 Jahre später veröffentlichte Adolph Kunike sein großes Mappenwerk „264 Donau-Ansichten nach dem Laufe des Donaustromes von seinem Ursprunge bis zu seinem Ausflusse in das Schwarze Meer“. Die Lithographien stammen u. a. von Jakob Alt, Franz Wolf und Ludwig Erminy, ausgewählte Motive sind als Reproduktion in der Ausstellung zu sehen. Alle 264 Bilder können virtuell über die Website der Österreichischen Nationalbibliothek durchblättert werden: Für jedes einzelne Werk kann dort zudem eine Patenschaft übernommen werden, die Spende unterstützt die Österreichische Nationalbibliothek bei der restauratorischen Bearbeitung und Konservierung wertvoller Objekte.

Jahrhundertelang war der Wasserweg die beste und günstigste Transportmöglichkeit. Lange vor der Erfingung von LKW, Eisenbahn und Flugzeug wurden Salz, Holz, Erz, Wein, Getreide und Vieh, aber auch Soldaten und Auswanderer über Flüsse an ihr Ziel gebracht. Eine Fahrt von Regensburg nach Wien dauerte damals mindestens eine Woche – in Gegenrichtung entsprechend länger. Johann Nepomuk Hoechles Bild „Schiffzug“ aus dem Jahr 1825 zeigt in der Ausstellung sehr eindrücklich, wie aufwendig solche Fahrten waren. Gute Schiffe überstanden dabei mehrere Fahrten, viele wurden aber nach einer einzigen Fahrt stromabwärts zu Brennholz zerlegt, denn aufwärts mussten sie gezogen (getreidelt) werden.

Doch die Donau als Wasserstraße sollte sich bald gravierend ändern: 1829 erfolgte die Gründung der Ersten k.k.privilegierten Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft (DDSG), die ab 1830 den Linienverkehr aufnahm. In diesem Jahr legte ein Dampfer die Strecke Wien – Budapest erstmals in etwas mehr als 14 Stunden (retour über 48 Stunden) zurück. Die DDSG expandierte enorm, besaß eigene Werften in Budapest und Korneuburg sowie Bergwerke in Pécs zur Kohlegewinnung für die Dampfmaschinen. 1880 war die DDSG schließlich die größte Binnenreederei der Welt, die Flotte bestand aus über 200 Dampfschiffen und etwa 1.000 Lastkähnen. Historische Reiseführer und Reiseberichte stehen in der Ausstellung für die große touristische Bedeutung des Flusses, die mit dieser Revolution der Fortbewegung einherging, ein SW-Foto von Lothar Rübelt mit einem „Amateurfotografen in Kritzendorf“ zeigt die Donau als privaten Naherholungsraum.

Die Donau hatte aber nicht nur als Verkehrsweg große Bedeutung, sondern auch als Grenze: Die Auseinandersetzungen um Territorien und Vormachtstellungen, der wechselnde Einfluss von Großmächten wie dem Osmanischen Reich, der Habsburgermonarchie oder Russland bestimmten jahrhundertelang die Geschichte des Donauraumes. 1665 befand sich dieses Gebiet unter osmanischer Oberhoheit und die genauen Angaben zu den Palanken (kleine Befestigungen) entlang der Donau waren von strategischer Bedeutung für die Habsburger.

Auf der Donau wurden zum Schutz und als Patrouille auch Kriegsschiffe (Tschaiken) eingesetzt. Die schmalen und flachen Boote konnten sowohl gerudert als auch gesegelt werden. Sie hatten eine Besatzung von etwa 30 Mann und konnten im Kriegsfall mit Kanonen bestückt werden. Gebaut wurden sie in Klosterneuburg, Stützpunkte lagen u.a. an der Theißmündung. Ein Tschaikenbataillon war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Teil der k.k.Donauflottille.

Neben der wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung war die Donau aber immer auch ein Sehnsuchtsraum, ein Ort „jenseits der Geschichte“, ein Schauplatz von Sagen, Gedichten und Erzählungen. Reiseberichte erzählten von den unterschiedlichen Kulturen und vielfältigsten Sehenswürdigkeiten entlang des Flusses, illustrierte Werke mit authentischen Ansichten von Orten und Landschaften erreichten ein breites europäisches Publikum.

Neben der wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung war die Donau aber immer auch ein Sehnsuchtsraum, ein Ort „jenseits der Geschichte“, ein Schauplatz von Sagen, Gedichten und Erzählungen. Reiseberichte erzählten von den unterschiedlichen Kulturen und vielfältigsten Sehenswürdigkeiten entlang des Flusses, illustrierte Werke mit authentischen Ansichten von Orten und Landschaften erreichten ein breites europäisches Publikum.

Vor über 150 Jahren, genau am 14. Mai 1870, erfolgte dann der Spatenstich für die Regulierung der Donau im Raum Wien. Nach katastrophalen Überschwemmungen in den Jahren 1830, 1849, 1850 und 1862 waren Kommissionen zur Erarbeitung eines Regulierungsprojektes eingesetzt worden. Der erfolgreiche Bau des Suezkanals trug zur Durchsetzung einer „radikalen“ Lösung bei – der Schaffung eines neuen begradigten Flussbettes.

[pge]

Ausschnitt aus der Pasetti-Karte
© Österreichische Nationalbibliothek

Pressburg, Österreichische Nationalbibliothek
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