Passwort vergessen?
 
Neuen Account erstellen
 
Warum registrieren
 
Ausstellungsbericht
DruckenArtikel als pdf anzeigen

Padhi Frieberger - Frische Luft ist nicht alles - Fotokunst 1950-2000
»Frische Luft ist nicht alles« Schloss Hagenberg, Fallbach, 1968
© Padhi Frieberger
  

Padhi Frieberger (1931–2016), selbstproklamierter Außenseiter der österreichischen Kunstszene und Ein-Personen-Bewegung, fand in der Fotografie ein ideales Medium für seine vielgestaltige, Kunst und Leben vereinende Praxis. Diese Ausstellung zeigt mit mehr als 100 Fotoarbeiten die bislang umfassendste Präsentation dieses so bedeutenden Teils seines Gesamtwerks.

von: 18.Dec 20
bis: 18.Apr 21


Fotomuseum Westlicht
Schauplatz für Fotografie
Westbahnstraße 40
1070 Wien, AT
Tel: +43 (0)1 522 66 36
Email: info ::: westlicht. com
http://www.westlicht.com

Öffnungszeiten:
Di - Fr: 14-19 Uhr
Do bis 21 Uhr
Sa, So, Fei: 11–19 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Friebergers Fotografien sind fast ausnahmslos vom Künstler minutiös arrangiert, ihrer mitunter spontan anmutenden Ästhetik unterliegt eine klare Regie. Motivisch reicht das Spektrum von symbolisch aufgeladenen Inszenierungen über Porträts seiner Kollegen – darunter etwa Friedensreich Hundertwasser, Oswald Wiener oder André Heller – bis zu fotografischen Neuaufführungen seiner eigenen Objektkunst.
 
Schon unter seinen Zeitgenossen stießen Friebergers Fotoarbeiten auf große Resonanz: Ihre singuläre Bildsprache wurde von Großtheoretiker Peter Weibel ebenso geschätzt wie von Österreichs bedeutendstem Vertreter der Life-Fotografie, Franz Hubmann.

Padhi Frieberger erfuhr erste künstlerische Impulse in der Nachkriegszeit, im Umfeld des Wiener Art- Club sowie der Avantgardebewegungen der Wiener Gruppe und der Aktionisten. Bis ins späte 20. Jahrhundert war er eine präsente Figur der Wiener Kunstszene(n). Abgesehen von seiner Mitwirkung als ekstatischer Trommler bei verschiedenen Musikformationen gehörte er jedoch nie einer Gruppierung an, sondern blieb ein kritischer Außenseiter, auch der Subkultur. Die Konventionen des Kunstbetriebs empfand Frieberger als vereinnahmend, was seinem Anspruch an Autonomie zutiefst widersprach. Stattdessen verfolgte er die Utopie der Avantgarde, Kunst in konkreter Lebenspraxis aufgehen zu lassen. Er verstand sich nicht nur als Pionier der Kunst, sondern auch als Vorreiter der Lebensführung, lehnte etwa Alkohol und Nikotin strikt ab, ernährte sich vegetarisch und benutzte für Wegstrecken wann immer möglich ein Fahrrad.

Bereits in den 1950er Jahren schuf er in Fortführung dadaistischer Montageverfahren eigenständige Assemblagen und Materialcollagen aus gefundenen Holz- oder Metall-Fragmenten, die auf Werke der Nouveaux Réalistes vorausweisen. Deren strukturelles Prinzip entwickelte er in viele Richtungen weiter. Etwa integrierte er Gebrauchsgegenstände, Schriftstücke und Bilder, in denen sich lebensweltlich-gesellschaftliche Realität widerspiegelte; aber auch malerische und plastische informelle Elemente, die teils die Ästhetik von Franz Wests Passstücken antizipieren. Aus Fotokopien, Zeitungsclips und ausgewählten Briefmarken collagierte, teils re-fotografierte Karten versandte er als Mail Art avant la lettre an Bekannte. Hier propagierte er Anliegen der Öko- und Friedensbewegung und nahm Bezug auf politische Debatten. Vor allem aber polemisierte er gegen „Pseudokünstler und Schaumschläger“. Eindringlich proklamierte er das wahre Künstlertum, wie er es etwa in Vincent van Gogh sah, und pochte auf dessen unhintergehbare Sensibilität, moralische Integrität und kompromisslose Authentizität, wozu auch ein asketisches Leben als Verkannter zählte. Frieberger selbst verkörperte und pflegte diesen Mythos erstaunlich überzeugend.

Die Fotografie nutzte er in unterschiedlichen Registern, wobei die Bandbreite von Porträts befreundeter Kunstschaffender und „straighten“ Aufnahmen seiner Lebenspartnerinnen wie - umgebungen, bis zu Subjektiver Fotografie und abstrakten Farb- und Materialstudien reicht. All dies fand fallweise Eingang in seine Montagen wie auch in seine Fotoinszenierungen, in denen Friebergers künstlerische Position ihr wohl fruchtbarstes Medium fand: einen auf mehreren Ebenen gestaltbaren Bildraum, in dem er seine überbordenden ästhetischen Anliegen verbinden, somit selbstbestimmt kontextualisieren und vermitteln konnte. Nach genauer Planung stellte er Arrangements zusammen, die in der fotografischen Aufnahme als künstlerische Artikulation und zugleich als Abbild ihrer authentischen Ursprünge gelten können: Tableaux, die immer auf die realen Lebenszusammenhänge des Autors verweisen, auch wenn sie nicht als Selbstporträts konzipiert waren. Dazu zählte beispielsweise seine Garderobe, aus der er Kostüme für Mitwirkende schöpfte.

Neben ihm selbst, als dem wichtigsten Protagonisten seiner Künstlerfotografie, finden sich in Friebergers Fotoinszenierungen häufig Kinder, die das Ideal von Kreation als spielerisch-ernsthafte Findung ideal darstellten. Poetisch gestaltete Szenarien entstanden durch subtile Interventionen an Bäumen, Heuballen oder ruinösen Wänden, die in den Fotografien erscheinen, als wären Kunst, Natur und alte Bausubstanz harmonisch gewachsen. Ebenso stellte er seine Fotos und noch häufiger seine Objekte in die niederösterreichische Landschaft, wobei er Umgebung und Kunstwerke auch durch Doppelbelichtungen verschmolz. Schlagworte schrieb er als integrale Bestandteile der Komposition auf passende (Wand)Flächen, womit sie als Werktitel vor jeder missverständlichen Transkription sicher waren. Anlässlich der Vorbereitung seines Nachlasses begann Frieberger schließlich, auch die Rahmung seiner Fotografien bis ins kleinste Detail festzulegen. Der überwiegende Anteil des von ihm definierten fotografischen Werkblockes wurde nach seinem Tod von der Fotosammlung OstLicht übernommen und wird nun erstmals ausgestellt.

[pge]

»High Noon« Ehem. Textilfabrik Fischapark, Weigelsdorf, 1982/87
© Padhi Frieberger

Padhi Frieberger (Selbstauslöser?Inszenierung) Wien, 1960/65
© Padhi Frieberger

Kommentare
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 
Drucken
Lifestyle Ausstellungsberichte

Wenn die Geste zum Ereignis wird - when gesture becomes event
8.Dec 20 - 11.Apr 21
Künstlerhaus

Azteken
10.Oct 20 - 13.Apr 21
Weltmuseum Wien

Sheila Hicks - Garn, Bäume, Fluss
10.Dec 20 - 18.Apr 21
Museum für angewandte Kunst -MAK

Želimir Žilnik - Shadow Citizens
24.Oct 20 - 18.Apr 21
Kunsthalle Wien Museumsquartier

Padhi Frieberger - Frische Luft ist nicht alles - Fotokunst 1950-2000
18.Dec 20 - 18.Apr 21
Fotomuseum Westlicht

Utopien und Apokalypsen - Die Erfindung der Zukunft in der Literatur
8.Oct 20 - 25.Apr 21
Literaturmuseum der ÖNB

Cybernetics of the Poor
18.Dec 20 - 25.Apr 21
Kunsthalle Wien Museumsquartier

100 beste Plakate 19 Deutschland Österreich Schweiz
11.Nov 20 - 2.May 21
Museum für angewandte Kunst -MAK

Groteske Komödie - Lodovico Ottavio Burnacini
8.Oct 20 - 3.May 21
Theatermuseum

Von Arts and Crafts zum Bauhaus. Kunst und Design – eine neue Einheit!
21.Oct 20 - 9.May 21
Hofmobiliendepot

Ablaufdatum - Wenn aus Lebensmitteln Müll wird
7.Dec 20 - 16.May 21
Naturhistorisches Museum

Herwig Turk - Anamnese einer Landschaft
13.Mar 21 - 16.May 21
KunstHausWien

Maja Vukoje - auf Kante
8.Dec 20 - 23.May 21
Belvedere 21

Faces - Die Macht des Gesichts
12.Feb 21 - 24.May 21
Albertina

Andy Warhol exhibits - a glittering alternative
25.Sep 20 - 30.May 21
MUMOK

Hugo Canoilas - On the extremes of good and evil
6.Nov 20 - 20.Jun 21
MUMOK

Boden für Alle
19.Nov 20 - 19.Jul 21
Architekturzentrum Wien

Fragile Schöpfung
1.Oct 20 - 28.Aug 21
Dom Museum

Im Blick: Johann Jakob Hartmann
22.Jan 21 - 29.Aug 21
Oberes Belvedere

Im Schatten von Bambi. Felix Salten entdeckt die Wiener Moderne
15.Oct 20 - 19.Sep 21
Wien Museum - MUSA - Wienbibliothek im Rathaus

Coronas Ahnen - Masken und Seuchen am Wiener Hof 1500 – 1918
18.Dec 20 - 26.Sep 21
KHM - Wagenburg

Die Trias der Wiener Klassik: Haydn – Mozart – Beethoven
26.Jan 20 - 30.Jan 22
Mozarthaus Vienna

Künstliche Intelligenz?
17.Dec 20 - 31.Jul 22
Technisches Museum Wien

Wiener Fürstenfiguren - Gotische Meisterwerke des Stephansdoms
14.May 19 - -
Unteres Belvedere

Suche nach Ausstellungen

Titel 
Lokalität 
Datum 
yyyy-mm-dd or yyyy-mm
GO

  smsParkschein - Das App zum Erstellen einer SMS an Handy Parken
 

 

 
iLifestyle - Das App von Lifestyle -das gute Leben im Internet