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Ausstellungsbericht
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Alfred Schmeller - Das Museum als Unruheherd
Peter Pongratz Psychomodulator, 1968
© Bildrecht Wien, 2019
  

In dieser wunderbaren Ausstellung zeigt die Sammlungspolitik des Hauses durch den Direktor der 70er Jahre Alfred Schmeller (1969 bis 1979). Schmellers Tätigkeit lässt sich am besten mit seiner Vision eines „Museums als Unruheherd“ charakterisieren.

  

von: 27.Sep 19
bis: 16.Feb 20


MUMOK
Stiftung Ludwig Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien, AT
Tel: +43 1 525 00
Email: info ::: mumok. at
http://www.mumok.at

Öffnungszeiten:
Di-So 10 bis 19 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Sein großes Interesse galt Neuinterpretationen des Surre- alismus, neben der österreichischen Gruppe Wirklichkeiten sammelte er auch Werke der Chicago Imagists – einer amerikanischen Künstlergruppe der 1970er-Jahre, die eine subversive, knallbunte Kunst abseits des Mainstreams produzierte. Schmellers herausragendes Verdienst war die Öffnung des Hauses auf eine damals äußerst unkonventionelle Weise: Neben der bildenden Kunst zeigte er Architektur- und Designausstellungen, unterstützte Konzerte österreichischer Musiker und legte den Grundstein für eine moderne Kunstvermittlung.

Alfred Schmeller wurde 1969, nach dem Weggang seines Vorgängers Werner Hofmann nach Hamburg, der zweite Direktor des 20er Hauses (heute mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien). Anders als Hofmann, der als junger Kunsthistoriker zum Direktor berufen worden war, hatte Schmeller zu seinem Amtsantritt bereits eine lange Karriere hinter sich und war über Jahre wesentlich am Aufbau des österreichischen Kunstbetriebs nach 1945 beteiligt: Schmeller war tragendes Mitglied des ART CLUB, er hatte lange Jahre als Kritiker beim „Kurier“ gearbeitet und war schließlich Landeskonservator für das Burgenland. Er hatte im Lauf seiner Karriere also ein breites Spektrum an Aufgaben verfolgt, bei denen die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst stets im Vordergrund stand.

In den klassischen Aufgabenfeldern des Museums – Sammeln, Bewahren und Forschen – führte Schmeller das Erbe des Gründungsdirektors fort. Neu war dagegen der Ausbau des Vermittlungsprogrammes, mit dem er eine höchst erfolgreiche Tradition im mumok begründete: Schmeller sah die Herausforderung seiner Direktion darin, „die Distanz zwischen den Menschen und der Kunst zu verringern“ und begriff seine Tätigkeit als, wie er selbst es nannte, „gesamtkulturelle Arbeit“. Einen Meilenstein setzte er mit dem Aufbau eines umfangreichen Kinderprogramms. Der von ihm verfasste erste Kinderfolder des Hauses mit dem Titel Adolf Loos für junge Leute mutet in Aufbau und Sprache sehr modern an. Schmellers Neuerungen wurden so begeistert aufgenommen, dass sie mitunter sogar als „Frontalangriff auf die gängige Art der Kunsterziehung“ gesehen wurden.

Das Museum sollte Schmellers Meinung nach ein „Unruheherd“ sein, in dem viele Themen zur Sprache kommen. Sein Museumsbegriff war unkonventionell, und den wissenschaftlichen Elfenbeinturm verließ er zugunsten einer radikalen Öffnung des Hauses: Schmeller lud die Wiener Festwochen ein, im 20er Haus das Avantgardefestival Arena zu veranstalten, und war bestrebt, über unterschiedlichste Veranstaltungen auch nicht-kunstaffines Publikum ins Museum zu holen – mit dem Nebeneffekt, dass er bereits im ersten Jahr die Besucherzahlen um mehr als das Doppelte steigern konnte. Einige der Ausstellungen seiner Ära – etwa der Quotenhit Wiener Schule des Phantastischen Realismus (1972) – gelten nach wie vor als Meilensteine. Früh erkannte er die herausragende Bedeutung des Ausstellungsmachers Harald Szeemann und holte dessen legendäre Ausstellungen Junggesellenmaschinen und Monte Verit? nach Wien, Projekte, mit denen das Haus in den Jahren 1977 und 1979 Ausstellungsgeschichte schrieb.

Ein Schwerpunkt von Schmellers Ankaufspolitik galt den Chicago Imagists, die in den letzten Jahren neu entdeckt wurden: eine lose Formation von Künstler, die an der School of the Art Institute of Chicago studiert hatten und vom Surrealismus, der Art Brut sowie von Comics und Populärkultur beeinflusst waren. In ihrer figurativen Malerei rückten sie unbeeindruckt von den Trends, die von der New Yorker Kunstszene vorgegeben wurden, das Groteske sowie eine Welt abseits der Konventionen ins Blid. Alfred Schmeller sammelte aber auch österreichische Zeitgenossen wie Oswald Oberhuber, Hans Hollein oder Walter Pichler, sowie die „Wirklichkeiten“, eine lose Gruppe sozialkritischer Maler um Kurt Kocherscheidt, Martha Jungwirth und Peter Pongratz. Außerdem baute Schmeller die klassische Moderne, einen Sammlungsschwerpunkt seines Vorgängers Hofmann, weiter aus und erweiterte die von ihm begründete Skulpturensammlung. Wie bereits erwähnt, brachte Schmeller viele österreichische Künstlerinnen und Künstler auf den Weg. Sensationell war das Riesenbillard von Haus-Rucker-Co in der Ausstellung Live (1970), mit der Schmeller die damals aus Laurids Ortner, Klaus Pinter und Günter Zamp Kelp bestehende Gruppe vorstellte. Er baute dabei eine Barriere zwischen klassischen Kategorien ab und rückte das Performative und Unkonventionelle in den Vordergrund.

Die Rekonstruktion des Riesenbillard von Haus-Rucker-Co, einer 225m2 großen Kunststoffinsel mit drei gigantischen Kugeln, steht auch im Zentrum dieser Ausstellung. Anders als die klassische Kunstbetrachtung es vorsieht, mussten sich die Besucher damals auf wackeliges Terrain begeben, wollten sie die Kugeln bewegen – eine Situation, von der sich viele Fotografinnen und Fotografen wie Cora Pongracz oder Peter Baum inspiriert sahen. Mit deren Dokumentationen, die in der Ausstellung zu sehen sind, schlägt die Schau eine Brücke zwischen gestern und heute. Denn auch in der aktuellen Ausstellung ist das Publikum eingeladen, aktiv zu werden. Schmeller bewarb die interaktive Arbeit damals mit dem Slogan: „Der Prater ist geschlossen. Kommen Sie ins Museum! “ Nicht erst wenn der Prater im Herbst witterungsbedingt tatsächlich schließt, ist das auch 2019 noch eine spannende Option.

[pge]

Ausstellungsansicht
© Klaus Pichler, © mumok

Riesenbillard von Haus-Rucker-Co
© Life-style.at

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