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Ausstellungsbericht
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Heimrad Bäcker
Heimrad Bäcker - Stollen Gusen Innenansicht, undatiert
© mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Schenkung Michael Merighi
  

Seit der Schenkung im Jahr 2015 befindet sich der fotografische Nachlass des Schriftstellers und Herausgebers Heimrad Bäcker im mumok: Ein Konvolut, das mit über 14.000 Einzelobjekten wie Fotografien, Negativen, Notizen, Plänen, Textarbeiten und Fundstücken Zeugnis von einer lebenslangen künstlerischen und (selbst-)kritischen Auseinandersetzung mit dem Holocaust ablegt.

  

von: 27.Sep 19
bis: 16.Feb 20


MUMOK
Stiftung Ludwig Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien, AT
Tel: +43 1 525 00
Email: info ::: mumok. at
http://www.mumok.at

Öffnungszeiten:
Di-So 10 bis 19 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Ab den 1960er-Jahren – lange bevor die Erinnerung an NS-Verbrechen in Österreich eine kollektive Prägung erfuhr – entstanden Heimrad Bäckers Fotografien auf dem Areal der Konzentrationslager Mauthausen und Gusen. Es handelt sich dabei um eine umfangreiche fotografische Dokumentation des zunächst verlassenen, später anders genutzten Areals: die Bestandsaufnahme eines Ortes in über 14.000 Fotografien.

Bäcker, dessen dichterisches und verlegerisches Werk zu den herausragenden Leistungen der österreichischen Literatur nach 1945 zählt, verstand Mauthausen und Gusen als Gedächtnisorte im Sinne des französischen Historikers Pierre Nora. Dieser hatte den Begriff „lieux de mémoire“ geprägt, um damit Orte zu bezeichnen, an denen sich das kollektive Gedächtnis kristallisiert. So wird Erinnerungskultur und historisch motivierte Identitätsstiftung ermöglicht. Dabei ging es Bäcker im Gegensatz zu Nora nicht vorrangig um nationale Anliegen, sondern um die Verantwortung für ein Wissen und dessen Aufarbeitung.

Im Rahmen dieser hervorragend gestalteten, kleinen und faszinierenden Ausstellung wird nun eine Auswahl von etwa 140 Fotografien, Notizen, Textarbeiten und Fundstücken gezeigt. Auf den Fotografien sind brachliegende Anlagen zu sehen, die von Pflanzen überwuchert sind, oder aber bewusst einer anderen Verwendung zugeführt worden waren. Es sind oft ähnliche Motive, die graduelle Unterschiede in der Nachbearbeitung aufweisen und häufig seriell montiert sind.

Die Bilder und Texte geben einen Einblick in die Herangehensweise Bäckers und können parallel zu seinen Textarbeiten nachschrift (1986) und nachschrift 2 (1997) begriffen werden, die als „Erkenntnisarbeit zur Genese und Struktur des Holocaust“ (Thomas Eder) eine Aufklärung über Nationalsozialismus und Schoah anstrebt. Es handelt sich dabei um eine Zitatensammlung aus der Perspektive von Tätern, Opfern, Angeklagten und Klägern, die mit den Mitteln von Text und Sprache ein Narrativ der Vernichtung erstellt. Ausschnitte aus nachschrift sind in der Ausstellung in einem von Bäcker selbst gesprochenen Text zu hören. Bäcker hatte in Zusammenhang mit der nachschrift von einer „möglichkeit zur konkretion“ gesprochen.

Das ausschließlich vorgefundene Textmaterial weist eine gewisse Parallele zu seiner fotografischen Spurensuche auf und erschließt ebenfalls Fundstücke: Gegenstände, die er auf dem Areal gesammelt hatte, seien es kleine Nägel oder größere Holz- oder Betonfragmente. Bäcker suchte nach einer Form der Narration, die auf überprüfbaren Dokumenten basiert. Er verzichtet auf „einfälle und phantastik“, wie er es nannte, um in seinen Texten und Fotografien die Orte Mauthausen und Gusen gegen das Vergessen in Stellung zu bringen.

Der Präsentation des Werks von Heimrad Bäcker werden im mumok zwei Arbeiten zeitgenössischer Künstler_innen zur Seite gestellt:

In der Sound-Arbeit Ein mörderischer Lärm (2015) von Tatiana Lecomte berichtet der Zeitzeuge Jean-Jacques Boijentin, unterstützt vom professionellen Geräuschemacher Julien Baissat, vom unerträglichen Lärm in den Arbeitsstollen des Konzentrationslagers Gusen, verursacht durch die schweren Maschinen, die im Stollen zum Einsatz kamen.

Rainer Iglars Fotostrecke Mauthausen 1974 (1983), die er als zwölfjähriges Schulkind bei einer Exkursion in das ehemalige Konzentrationslager angefertigt und als erwachsener Mann wiedergefunden hat, zeigt das Zusammentreffen der persönlichen Geschichte des Fotografen und der Geschichte des Ortes. „Der Ort ist markiert, es ist kein unschuldiger Ort“ (Rainer Iglar).

Um den Gruppen an Bildern und Texten sowie den Soundarbeiten einen übergreifenden Rahmen zu geben und innerhalb des White Cube eine konzentrierte Situation zu schaffen, werden die Exponate in einer von Eva Chytilek und Jakob Neulinger eigens zu diesem Zweck entworfenen Rauminstallation präsentiert.

Heimrad Bäcker (* 1925 in Wien, ?? 2003 in Linz), war Herausgeber, Schriftsteller und Fotograf. Vom Erlös des Verkaufs seines literarischen Nachlasses an das Literaturar- chiv der Österreichischen Nationalbibliothek stiftete er gemeinsam mit seiner Frau Margret den Heimrad-Bäcker-Preis.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen / Mauthausen Memorial.

[pge]

Ausstellungsansicht
© Klaus Pichler, © mumok

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