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Ausstellungsbericht
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Kaiser Maximilian I. Ein großer Habsburger
copyright: Österreichische Nationalbibliothek
© Österreichische Nationalbibliothek
  

Mit seiner geschickten Heiratspolitik legte Maximilian I. den Grundstein für das spätere Weltreich der Habsburger. Im Umkreis des Kaisers und teils durch seine eigene Mitarbeit entstanden Meisterwerke der Kunst. Aus Anlass seines 500. Todestages widmet sich diese mit eindrucksvollen Handschriften und Drucken bestückte Ausstellung dem Regenten, der wie kein Zweiter für den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance steht.

  

von: 15.Mar 19
bis: 3.Nov 19


Österreichische Nationalbibliothek
Prunksaal
Josefsplatz 1
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 534 10 -394
https://www.onb.ac.at/museen/pru...

Öffnungszeiten:
Di - So 10 - 18 Uhr
Sommer (2.6. - 29.9)
Mo 10 - 18 Uhr
Do bis 21 Uhr



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Als „letzter Ritter“ und „erster Kanonier“ führte er zahlreiche Kriege, um seine Herrschaftsansprüche durchzusetzen. Gleichzeitig erwies er sich als gewiefter Taktiker, der früh versuchte, die Macht der Medien und hier vor allem den neu erfundenen Buchdruck für seine Zwecke einzusetzen. Die Spannungsfelder zwischen habsburgischen Erblanden und Heiligem Römischen Reich, die Entdeckung und Erforschung neuer Welten und die Osmanengefahr im Osten prägten Maximilian in persönlicher wie in politischer Hinsicht.

Seine Geburt in der Wiener Neustädter Burg soll unter einem schlechten Stern gestanden sein – zumindest glaubte er das Zeit seines Lebens. Wie es sich für einen späteren Kaiser gehört, waren die Lernunterlagen, die Maximilian überreicht wurden, überaus prachtvoll. In der Schau ist ein reich verziertes ABC-Buch zu sehen, mit dem der sechsjährige Thronfolger Lesen und Schreiben lernen sollte. Die Ausstattung der Handschrift stammt aus der Feder des sogenannten Lehrbüchermeisters und wurde ihm vom wohlhabenden Wiener Bürger Stephan Heuner geschenkt. Neben dem Alphabet finden sich darin das Vaterunser, das Ave Maria sowie einige weitere bekannte Gebetstexte. Viele Anfangsbuchstaben sind kunstvoll ausgeschmückt und vergoldet.

Für die damalige Zeit ist die schulische Erziehung Maximilians, die neben Lesen, Schreiben und Latein auch Kampf, Jagd und Tanz umfasste, außergewöhnlich gut dokumentiert. Einen großen Beitrag dazu leistete der spätere Monarch selbst. In den von ihm beauftragten „Gedechtnus-Werken“ wird seine Ausbildung in den schillerndsten Farben gezeichnet – und oft verklärt. Während Sprachstörungen und Konflikte mit seinem Lehrer belegt sind und das Interesse des jungen Thronfolgers mehr bei der Jagd als bei der lateinischen Sprache lag, übertrifft er in seinem autobiografisch gefärbten Werk „Weißkunig“ seine Lehrer sogar in deren eigenen Fächern. Die Holzschnitte und handschriftlichen Vorarbeiten zu diesem außergewöhnlichen Buch illustrieren einen Höhepunkt der damaligen Buchkunst und sind in der Ausstellung im Original zu sehen.

Schon Maximilians Vater Friedrich III. hatte die habsburgische Büchersammlung mit wertvollen Prachthandschriften erweitert. Maximilian fügte nun nicht nur die üblichen Widmungsexemplare und Ankäufe hinzu, sondern hinterließ auch zahlreiche Bände, die mit seinen eigenen Buchprojekten in Verbindung stehen. Erst über Umwege gelangten Bücherschätze aus dem Besitz seiner ersten Ehefrau Maria von Burgund nach Österreich, darunter etwa das berühmte Stundenbuch der Maria von Burgund, ein Gebetbuch mit goldenen Buchstaben und reichem Bilderschmuck, das am Beginn der Ausstellung im Original zu sehen ist. Durch Maximilians zweite Ehefrau Bianca Maria Sforza wurde die Sammlung um weitere wertvolle Handschriften erweitert, diesmal aus Italien.

Eine Übersicht zum Buchbesitz des Kaisers liefert eine Inventarliste aus den 1520er Jahren. Darin finden sich Bibeln und theologische Texte ebenso verzeichnet wie historische Werke oder Bücher zur Zauberei. Über Erzherzog Ferdinand II., den Urenkel von Maximilian I., gelangten diese Werke später nach Schloss Ambras, heute werden sie als sogenannte Ambraser Sammlung in der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt und sind seit 2018 auf der „Memory of Austria“-Liste der UNESCO.

Ein weiteres Interesse Maximilians waren archäologische Funde, über die er auch in seinen privaten Notizbüchern schreibt. Sein Berater, der Augsburger Humanist und Jurist Konrad Peutinger, veröffentlichte 1505 die erste gedruckte Sammlung dieser „heidnischen Steine“, die er Maximilian als Prachtausgabe zum Geschenk machte. Dieses Werk steht in der Ausstellung für die Wiederentdeckung der klassischen Antike, die unter Maximilian auch nördlich der Alpen kulturprägend wurde.

Kurz vor Maximilians Geburt wurde von Johannes Gutenberg der moderne Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern erfunden, eine Medienrevolution, die die Menschheit bis zur Erfindung des Internets prägte. Der Kaiser erkannte früh die Bedeutung dieser Innovation. Die autobiografisch beeinflussten Werke, an denen er beteiligt war, wurden für die Verbreitung im Druck vorbereitet und verbanden den Text mit prächtigen Holzschnitten. Durch sie schuf er ein ideales Bild seiner Person, das er unter seinen Zeitgenossen verbreiten und für die Nachwelt festhalten wollte getreu dem Schlusssatz des „Weißkunig“: „Wer ime (= sich) im leben kain gedechtnus macht, der hat nach seinem tod kain gedechtnus, und demselben menschen wird mit dem glockendon vergessen.“

An der Verherrlichung Maximilians arbeiteten auch die Autoren aus dem Umfeld des Kaisers, die ihm ihre Werke widmeten: Oftmals mischten sie historische Begebenheiten mit fiktiven Elementen bis hin zur antiken Götterwelt; oder sie schilderten den Rom-Zug Maximilians zur Kaiserkrönung, der nie stattgefunden hat. Sie taten dies für Ruhm und Ehre und um die Gunst des Kaisers zu erlangen, denn der durch seine zahlreichen Kriege chronisch verschuldete Maximilian konnte sie nicht bezahlen.

Der Kaiser interessierte sich auch für die geografischen Neuerungen und großen Entdeckungsreisen im Westen und Osten: Immerhin wurden in seiner Regierungszeit Amerika und der Seeweg nach Indien entdeckt. Maximilian wollte sich ein klares Bild von der Welt machen und er traf politische Entscheidungen unter anderem auf Basis von umfangreichen Land- und Seekarten.

Neben der Erkundung der Erde durch Entdeckungsreisen schritt während Maximilians Herrschaft auch die Erforschung des Himmels voran. Schon im frühen 15. Jahrhundert entstand eine mathematisch-astronomische Schule an der Universität Wien, deren Arbeiten die Wende vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild vorbereiteten. 1501 wurde das von Maximilians Berater Konrad Celtis angestoßene Collegium poetarum et mathematicorum gegründet, das Lehrstühle für Poetik und Rhetorik sowie für Mathematik vorsah – eine Pioniertat für die Institutionalisierung des Humanismus in Wien.

Dass eine scharfe Trennung zwischen der wissenschaftlichen Astronomie und der spekulativen Astrologie zu dieser Zeit noch nicht bestand zeigt sich an Maximilians Leibarzt Georg Tannstetter, der auch als Sterndeuter tätig war. Und es war der berühmte Astronom Regiomontanus, der Maximilian ein Geburtshoroskop erstellt hatte. Der Kaiser selbst nahm solche Weissagungen durchaus ernst und nutzte kosmische Erscheinungen auch zu Propagandazwecken: Den zu seiner Geburt am Himmel auftauchenden Kometen deutete er von einem finsteren Vorzeichen in einen Glücksbringer um. In einem recht gewagten Rückgriff auf die Bibel brachte er ihn sogar mit dem Stern von Bethlehem in Verbindung.

[pge]

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