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Ausstellungsbericht
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Thomas Bayrle - Wenn etwas zu lang ist – mach es länger
Ausstellungsansicht: Thomas Bayrle
© MAK/Georg Mayer
  

Diese wunderliche und wunderbare Ausstellung widmet sich erstmals in Österreich diesem großen deutschen Künstler. Der mehrmalige Dokumenta-Teilnehmer reüssierte als Zeichner, Grafiker, Maler und Bildhauer vor allem mit seinen Gebrauchsmustern, die in seinem künstlerischen Œuvre sich von den Gegenständlichen entfernen und so ein interessantes Eigenleben spielen.

  

von: 25.Oct 17
bis: 2.Apr 18


Museum für angewandte Kunst -MAK
Stubenring 5
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 712 80 00
Fax: +43 1 713 10 26
Email: office ::: mak. at
http://www.mak.at/

Öffnungszeiten:
Mi–So 10 – 18 Uhr
Di 18 - 22 Uhr (Eintritt frei)



Karten mit Ziel und
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Überdimensional! Eine aus unzähligen iPhones bestehende „Superform“ – iPhone meets Japan (2017) – in der MAK-Säulenhalle ist die zentrale Arbeit und zugleich der Auftakt dieser Schau über Thomas Bayrle (* 1937), der am 7. November 2017 seinen 80. Geburtstag feiert. Unter dem Titel "Wenn etwas zu lang ist – mach es länger", nach einem Zitat des Architekten Eero Saarinen (1910–1961), entwickelt Bayrle, der sich mit zeitaktuellen Medien auseinandersetzt, eine Erzählung zur Interaktion zwischen Kommunikationsdesign, Individuum und Gesellschaft.

Im Rahmen der Ausstellung beleuchtet Bayrle die MAK-Sammlung am Beispiel von Objekten, die die konzeptuelle Vorbildersammlung der 1863 als k. k. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie gegründeten Institution prägen. Mit grafischen, skulpturalen, malerischen, textilen wie installativen Arbeiten verwebt er mehrere Räume – die Säulenhalle die Ausstellungsräume im Keller und den Ausstellungsraum innerhalb der Schausammlung Gegenwartskunst – zur Projektionsfläche für seine Interpretation von „Social Fabric“, soziale Verflechtungen, die er an die Kunst des Webens anlehnt.

Weben, Vernetzen, Wiederholungen und das Prinzip des Seriellen sind bestimmende Momente in Bayrles Werk. Vor seinem Studium der Gebrauchs- und Druckgrafik selbst zum Musterzeichner und Weber ausgebildet, überträgt er die Faszination für Maschinelles konsequent in seine künstlerische Produktion. Mit Metaphern des Färbens, Webens und Programmierens untersucht er die Ambivalenz von Kunst, Handwerk, Industrie und lässt kaleidoskopartige Formen – Ornamente der Masse – entstehen. Beeinflusst von Op-Art (Victor Vasarely, 1906–1997) und Pop-Art (Andy Warhol, 1928–1987), verband Bayrle als einer der Ersten manuelle Techniken mit computerge-nerierter Kunst des digitalen Zeitalters.

Themen für seine Grafiken, Fotografien, Collagen und Objekte bezieht er aus der Alltagskultur und politischen Kontexten. Seine legendären „Superformen“ – Collagen aus einer unendlichen Anzahl von Miniaturbildern – ergeben im Zusammenspiel ihrer Einzelteile einen Mikro- und Makrokosmos. Durch die Vervielfältigung von „Zellen“, Bildern und ornamentalen Formen analoger wie digitaler Dimension können seine Arbeiten als Statements zu Masse und Massenproduktion gelesen werden, so der Künstler.

Die Installation iPhone meets Japan konzipierte Bayrle eigens für das MAK. Das begehbare Szenenbild in der zwischen Neorenaissance und Industriearchitektur angesiedelten MAK-Säulenhalle, dem Zentrum des Museums und der Ausstellung, reflektiert ein japanisches Shunga von Nishikawa Sukenobu (Entwurf um 1720) aus der Asien-Sammlung des MAK. Die explizit erotischen Holzschnitte sind in Ostasien zum Massenphänomen avanciert. Bayrle übersetzt das Shunga in eine „Superform“ aus iPhones, die unter den Vorzeichen digitaler Vernetzung zwischen einem Paar, das sich dem flüchtigen Duftspiel hingibt, und architektonischen Elementen oszilliert. Man findet sich in einer Bilderflut wieder oder wird aufgefordert, die Szene von der Galerie der Halle aus zu erfassen.

„Superformen“ als Referenz auf politische, industrielle und kulturelle Ikonen wie Jesus, Mao, die Autobahn, das Smartphone oder die Tasse spiegeln in der Ausstellung Bayrles Faszination für die Idee des Ornaments. Inspiration dafür findet er unter anderem in den Schriften des Soziologen Siegfried Kracauer (1889–1966) aus dem Umfeld der Frankfurter Schule. In seinem Text Das Ornament der Masse aus der gleichnamigen Sammlung von Essays (1920–1931) vergleicht Kracauer das Ornament mit Flugbildern von Städten. Die Masse skizziert er als Träger der Ornamente, die sich durch Gemeinschaft bilden, während das Massenornament die Gegenwart und den kapitalistischen Produktionsprozess widerspiegelt. Der Mensch als Massenteilchen kann Körper zeichnen, Tabellen bestimmen oder Maschinen bedienen – Perspektiven, die auch Bayrle in den Bann ziehen.

Als einer der bedeutendsten KünstlerInnen der Gegenwart und viele Jahre auch als Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main (1975–2007) inspirierte er Gene-rationen von KünstlerInnen und ist bis heute ein Mentor der jungen Szene. Im interna-tionalen Kontext wurde Bayrle u. a. durch seine Teilnahmen an der Biennale von Vene-dig (2003 und 2009) sowie an der documenta (1964, 1977 und 2012) bekannt.

[pge]

Ausstellungsansicht: Thomas Bayrle
© MAK/Georg Mayer

Ausstellungsansicht: Thomas Bayrle
© MAK/Georg Mayer

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