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Ausstellungsbericht
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Sophie Gogl. Storno
Sophie Gogl, Ohne Titel, 2020
© Verena Nagl
  

In dieser zweite Pop-up-Ausstellung im Rahmen der Reihe "Creative Climate Care", einer Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien, einen kritischen Blick auf das Thema Reisen in Zeiten von Corona und Klimawandel.

von: 14.Jul 20
bis: 23.Aug 20


Museum für angewandte Kunst -MAK
Stubenring 5
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 712 80 00
Fax: +43 1 713 10 26
Email: office ::: mak. at
http://www.mak.at/

Öffnungszeiten:
Mi–So, Fei 10 – 18 Uhr
Di 18 - 22 Uhr (Eintritt frei)



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Mit Beginn der modernen Reisekultur sank die Nachfrage nach großen Überseekoffern. Für die Eisenbahn, das Auto und schließlich das Flugzeug waren kleinere Gepäckstücke gefragt, heute zählen Handgepäckformate und „Trolleys“ zu den Alltagsgegenständen. Mit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie wurde dem Reisen ein jähes Ende gesetzt, alle Auslandsreisen mussten storniert werden.

Die praktischen Begleiter mutierten während des Shutdowns zum Relikt einer unbeschwerten Zeit, und mehr noch: Im Hinblick auf den Klimawandel können sie als Mahnmale für klimafeindliche Billigflüge gelesen werden. Und genau von diesen kompakten Kleinkoffern ausgehend hat die Künstlerin Sophie Gogl (* 1992, Kitzbühel, Tirol) ihre Pop-up-Schau entwickelt.

Handgepäckstücke in der von Fluglinien genormten Größe dienen als Trägermaterial und Rahmen für eine Reihe neu produzierter Arbeiten, von kleinformatigen Malereien über Objektassemblagen bis hin zu skulpturalen Inszenierungen. Bereits Anfang des Jahres entwickelte Sophie Gogl eine Werkserie im Kontext des Klimawandels und der Überproduktion. In kleinen Glascontainern kombinierte sie naturnahe Materialien wie Vogelnester oder Haar mit Objekten wie Plastikspielzeug oder Fotografien zu surreal anmutenden Skulpturen.

Für diese Ausstellung konzipierte sie eine Gesamtinstallation, die an ein lange verlassenes Flughafenterminal erinnert. In diesem utopischen Setting inklusive fingiertem Metalldetektor und künstlichen Pflanzen finden sich die Koffer in unterschiedlichen Ausführungen: geöffnet oder verschlossen, bemalt und mit personalisierten Plaketten versehen, bewachsen von künstlichem Moos oder kleinformatigen Pilz-Skulpturen aus Ton.

Sie dienen als Rahmen für Porträts von Persönlichkeiten aus der Popkultur und aus TV-Serien, deren Haltung zu Klimawandel und Gesellschaft von der Künstlerin kritisch betrachtet wird. Sie fungieren aber auch als Behältnis für Objektassemblagen und Skulpturen, die in einer Art „Mikroklima“ als Relikte und Momentaufnahme unserer Konsumge- sellschaft „konserviert“ werden.

Auch die Tatsache, dass sich die Produktion von Reisegepäck von einer Handwerkskunst zu einer Billigproduktion, vielfach in Niedriglohnländern, gewandelt hat, spielt für die Künstlerin eine Rolle. Weder das Reisen noch die Produktion der Gepäckstücke sind heute eine nachhaltige und umweltbewusste Aktivität: Beides ist zum „Wegwerfprodukt“ und zum Faktor für die aktuelle Klimakrise geworden.

Mit dieser Schau intendiert Sophie Gogl eine Hommage an eine temporäre Ära des Stillstands und des „Anti-Spektakels“ (vgl. Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967), in der wir gezwungen sind, uns mit dem Gegenwärtigen zu beschäftigen. Die Ausstellungskulisse versteht sie nicht nur als Reflexionsort über die Klimasituation im Kontext der Covid- Krise, sondern auch als Täuschungsmanöver: Sind wir wirklich am Flughafen? Und wenn ja, wozu, wo es doch für Wochen als Luxus galt, sich am eigenen Lebensstandort frei bewegen zu können? Der Museumsbesuch wird zur Reise und zum neu gewonnenen Spektakel.

Sophie Gogl schloss 2017 das Diplomstudium Bildende Kunst: Malerei und Animationsfilm an der Universität für angewandte Kunst Wien ab. Sie wird von der Wiener Galerie Zeller van Almsick vertreten.

Mit der Ausstellungskooperation CREATIVE CLIMATE CARE bieten das MAK und die Universität für angewandte Kunst Wien fünf durch eine Jury ausgewählten AbsolventInnen der Angewandten die Möglichkeit, mit jeweils dreiwöchigen Ausstellungen die MAK GALERIE zu bespielen. Die Reihe setzt sich mit dem Beitrag von Design, Architektur und Kunst zur Entwicklung eines neuen Mindsets für aktive Klimapflege auseinander und ist gleichzeitig der Startschuss für die künftige permanente Bespielung der MAK GALERIE als CREATIVE CLIMATE CARE GALERIE.
CREATIVE CLIMATE CARE startete mit Florian Semlitsch und zeigt nach Sophie Gogl Positionen von Chien-hua Huang, Martina Menegon und Antonia Rippel-Stefanska.

[pge]

MAK-Ausstellungsansicht
© Aslan Kudrnofsky/MAK

MAK-Ausstellungsansicht
© Aslan Kudrnofsky/MAK

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