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Ausstellungsbericht
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Raimund Abraham - Angles and Angels
Raimund Abraham, House with Two Halves. 10 Houses, 1972
© MAK/Georg Mayer
  

Der österreichisch-amerikanischen Architekten Raimund Abraham (1933–2010) entwickelte sein Œuvre in enger Verbindung zu Kunst, Philosophie, Literatur und Film. Ausgehend von der Zeichnung als Denkmodell für sein visionäres Werk werden in dieser Personale etwa 50 Skizzen, Collagen, Modelle und Entwürfe zu realisierten und unrealisierten Projekten sowie Prototypen von Möbeln gezeigt, die das Spannungsfeld zwischen individuellen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen seiner Zeit ausloten.

von: 16.Jun 20
bis: 18.Oct 20


Museum für angewandte Kunst -MAK
Stubenring 5
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 712 80 00
Fax: +43 1 713 10 26
Email: office ::: mak. at
http://www.mak.at/

Öffnungszeiten:
Mi–So, Fei 10 – 18 Uhr
Di 18 - 22 Uhr (Eintritt frei)



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Raimund Abraham verstand sich viel mehr als Theoretiker denn als bauender Architekt. Im Manifest EYES DIGGING (2001) werden sein forschender Zugang zu Architektur und die Bedeutung visionärer Schriftsteller, Philosophen, Dichter, Theoretiker und Komponisten wie Stéphane Mallarmé, James Joyce, Ludwig Wittgenstein und Arnold Schönberg für seine experimentelle architektonische Praxis deutlich. In seine elementaren, reduzierten Entwürfe ließ er archetypische und neo-futuristische Grundformen einfließen.

1967/68 bespielten Raimund Abraham, Hans Hollein und Walter Pichler zu dritt die Ausstellung "Architectural Fantasies: Drawings from the Collection" im MoMA – The Museum of Modern Art in New York, wo Abraham Arbeiten zu den Themen Utopie, Stadt und Environment zeigte. In den frühen 1960er Jahren interessierte sich Abraham auch für die Ursprünge der Baukultur und publizierte in "Elementare Architektur" (1963) zum landwirtschaftlichen Bauen im Alpenraum. Er untersuchte die Grundsätze der Architektur und wollte zu einer elementaren Grammatik des Bauens finden.

Raimund Abrahams umfangreiches zeichnerisches Werk steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Anfang der 1960er Jahre entstanden Skizzen und Collagen für visionäre Räume, Gebäude und utopische Stadtmodelle, was mit zahlreichen Beispielen thematisiert wird. Die kolorierte Collage "Ohne Titel" (1960er Jahre) suggeriert beispielsweise mit geometrischen Formen aus Erde, Wasser und Luft eine Landschaft der Zukunft.

"Megabridge" (1964), "Continuous Building Project" (1967), "Universal House" (1967) und "Moon Crater City" (1967) stehen exemplarisch für Abrahams Studien zu „linearen Städten“. Sie beschreiben architektonische Environments, die sich auf die klassizistische Revolutionsarchitektur und Manifestationen der 1960er Jahre beziehen – wie die Erschließung des Weltraums und modulare Entwürfe der britischen Architekturgruppe ARCHIGRAM (1963–1974). Diese Ideen entwickelte Abraham im nicht realisierten "Kugel- Projekt" (1991) für das MAK-Terrassenplateau im Museumsgarten weiter.

Raimund Abraham war national und international mit Künstlern, Architekten und Filmschaffenden vernetzt und unter anderem mit Hermann Nitsch, Dieter Roth, Peter Kubelka, Walter Pichler, Hans Hollein, Vito Acconci, Peter Eisenman und Lebbeus Woods oder dem Filmregisseur Jonas Mekas verbunden.

Exemplarisch für Raimund Abrahams Spiel mit Geometrie, Arithmetik und Proportin steht das unrealisierte Projekt "House for Euklid" (1983). Architektur wird hier als Bewegung und Mechanismus aufgefasst, um dem kinetischen Raum sowie den Möglichkeiten der Unendlichkeit eine Form zu geben. Die politische Symbolkraft von Architektur verdeutlichte er in der Skizze "Kirche an der Berliner Mauer" (1981/82). Der nicht realisierte Beitrag kann als Symbol für die gesellschaftliche Einheit in Deutschland und in Europa gelesen werden.

Raimund Abrahams Hauptwerk, der spektakuläre Neubau des Austrian Cultural Forum in New York (2002), zählt zu den bedeutendsten Beiträgen zeitgenössischer Architektur in Manhattan. Abraham, der das Hochhaus pointiert als „Guillotine“ bezeichnete, brach die monotone Höhenentwicklung des 84 Meter hohen und 7,5 Meter schmalen Gebäudes mit versetzten Fassadenelementen und einem surrealen Spiel der Oberflächen aus Glas, Aluminium und Zink.

Als eines seiner Spätwerke plante Raimund Abraham das posthum fertiggestellte "Haus für Musiker" (1996–2010) im Rahmen des Projekts Museumsinsel Hombroich auf dem Gelände einer ehemaligen NATO-Raketenstation in Neuss, Deutschland. „Das Bauwerk ist kein Gebäude, sondern eine Stadt für vier Bewohner. Die Grundidee für das Bauwerk wird bestimmt durch ein gleichseitiges Dreieck. Dreieck und Kreis bilden den Mittelpunkt. WennArchitektur sich der Skulptur nähert, ist das Kunst“ – so Abraham über einen seiner letzten Entwürfe.

[pge]

Raimund Abraham, Nine Projects for Venice. City of Twofold Vision, 1980
© MAK/Georg Mayer

MAK-Ausstellungsansicht
© Aslan Kudrnofsky/MAK

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