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Ausstellungsbericht
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Beethoven und seine Verleger
Ausstellungsplakat
© Wienbibliothek im Rathaus
  

Die Wienbibliothek im Rathaus verfügt über eine beachtliche Anzahl von Briefen Ludwig van Beethovens, die auch online in der Sammlung der Digitalen Wienbibliothek verfügbar sind. Diese Briefe bilden zusammen mit einer Auswahl an Kompositionen Beethovens sowie zahlreichen Erst- und Frühausgaben den Kern dieser kleinen, sehr feinen Ausstellung zum Beethoven-Gedenkjahr 2020.

  

von: 28.Feb 20
bis: 20.Nov 20


Musiksammlung der Wienbibliothek
Loos-Räume
Bartensteingasse 9/5
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 4000-84996
Email: post ::: wienbibliothek. at
https://www.wienbibliothek.at/be...

Öffnungszeiten:
Mo - Fr: 9 - 13 Uhr



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Die Schau gibt Einblicke in die Lebensumstände einer ambivalenten Künstlerpersönlichkeit und zeigt einen Grenzgänger zwischen höchsten künstlerischen Idealen und den Erfordernissen des Alltags. Daher sind die gezeigten Themen u. a. die Bedeutung des Mäzenatentums und andere finanzielle Aspekte sowie das Musikverlagswesen zu Beethovens Zeit. „(…) es sollte nur ein Magazin der Kunst in der Welt seyn, wo der Künstler seine Kunstwerke nur hinzugeben hätte, um zu nehmen, was er brauchte", schrieb Beethoven 1801 an den Leipziger Verleger Franz Anton Hoffmeister.

„Dieser Wunsch des Komponisten ist bezeichnend für seine Haltung und seinen Unwillen, sich um die profane Vermarktung seiner Kunst kümmern zu müssen“, betont Thomas Aigner, Leiter der Musiksammlung und Kurator der Ausstellung. Denn die Realität sah anders aus: Zusammen mit der aufstrebenden bürgerlichen Musikkultur um 1800 nahm auch das Musikverlagswesen einen rasanten Aufschwung. Dabei entstand ein Wildwuchs, der erst in späteren Jahrzehnten nach und nach einer Regulierung unterworfen wurde und Beethoven zu einer vermehrten, ihm im Grunde fremden Beschäftigung mit merkantilen Angelegenheiten zwang.

Beethoven konnte zwar die Konkurrenz der zahlreichen jungen Unternehmungen für sich nützen und zum Teil ein und dasselbe Werk an verschiedene Firmen verkaufen – musste sich aber u. a. gegen nicht autorisierte Nachdrucke seiner Werke und fehlerhafte Ausgaben seiner Verleger zur Wehr setzen. Für das Frühwerk Beethovens nach dessen Übersiedelung nach Wien war die Firma Artaria & Comp., die schon Hauptverleger Joseph Haydns und Wolfgang Amadeus Mozarts war, von zentraler Bedeutung.

Die Materialien des von der Wienbibliothek im Rathaus verwahrten Teilarchivs der Firma beleuchten u. a. den Rechtsstreit, der sich um die Veröffentlichung des Streichquintetts op. 29 entsponnen hatte: Ohne den Komponisten davon in Kenntnis zu setzen hatte der Mäzen und Bankier Moritz Christian Johann Graf von Fries sein Widmungsexemplar dem Artaria-Verlag zur Veröffentlichung übergeben – während Beethoven die Komposition Breitkopf & Härtel angeboten hatte. In der Wiener Zeitung sprach Beethoven sich daraufhin mit einer Anzeige „An die Musikliebhaber“ gegen die Ausgabe bei Artaria aus, „weil diese (...) höchst fehlerhaft, unrichtig, und für den Spieler ganz unbrauchbar sei“, wurde aber gerichtlich zu einem Widerruf verpflichtet.

Das Verhältnis zu seinen Musikverlegern blieb ambivalent („hol euch der Teufel? behüt euch Gott“), doch Beethoven bewies im Umgang auch Humor: In seinen Briefen an Sigmund Anton Steiner, 1815 bis 1817 dessen Hauptverleger, bezeichnete sich der Komponist als Generalissimus, machte Steiner zum Generalleutnant und dessen Kompagnon Tobias Haslinger zum Adjutanten. „Man hat den adjutanten beym linken Ohrläppchen etwas stark anzuziehen“, schrieb Beethoven an Steiner. Und da dies wirkungslos geblieben schien: „da der Adjutant hiebey neulich seine Verrätherischen u. aufrührerischen Gesinnungen durch Reden wieder gezeigt, so ist solcher sogleich heute beim rechten Ohr derb anzufaßen u. zu zupfen, die weitere Execution behalten wir unß vor, um selbe in unsrer (...) Gegenwart vollziehen zu lassen.“

Die Ausstellung dokumentiert weiters die Versteigerung von Beethovens Nachlass nach dessen Tod 1827 in Wien und zeigt schließlich die Anläufe zu einer noch vom Komponisten selbst angeregten Gesamtausgabe seiner Werke.

Weiters wurde im Rahmen der Ausstellungseröffnung ein kurzes, bisher nicht bekanntes Klavierstück Ludwig van Beethovens nach einem kurzen Vortrag des Entdeckers Dr. Jochen Reutter von der <a http://www.wiener-urtext.com/>Wiener Urtext Edition</a> von Doris Adam uraufgeführt .

Das Werk ist auf einem Doppelblatt mit Skizzen von Ludwig van Beethoven aus den Jahren 1790–1792 im Besitz der Wienbibliothek im Rathaus notiert. Am Ende der vierten Seite hatte man unter der Vielzahl unterschiedlichster Skizzen schon vor längerer Zeit ein Andante genanntes Klavierstück entdeckt. Dass sich aber auch auf der ersten Seite ein vollständiges kleines Klavierstück verbirgt, war bislang unbekannt geblieben. Es trägt keinen Titel und beginnt nicht am Anfang, sondern erst gegen Ende einer Zeile, unmittelbar im Anschluss an eine vorhergehende Skizze, was die Auffindbarkeit erschwerte.
Als bis dato unbekanntes Stück scheint es noch nicht im neuen Werkverzeichnis auf und trägt weder Opuszahl noch WoO-Nummer. Das 16-taktige Stück zeigt vom musikalischen Charakter her Züge eines Ländlers. Beethoven hat die Melodiestimme seines Stückes lückenlos aufgezeichnet, an wenigen Stellen sogar überarbeitet, die Begleitung in abgekürzter Form notiert.

Das Stück erscheint als Erstausgabe der Wiener Urtext Edition (UT 50296) und ist zusätzlich im Sammelband in der Ausgabe UT 50295 erhältlich!

[pge]

Ludwig van Beethoven: Ouvertüre Zur Weihe des Hauses op. 124, eigenhändige Partitur
© Wienbibliothek im Rathaus

Musikhandschrift von L.v.Beethoven mit dem neu gefundenen Stück - Enthält weiters den Entwurf zum Lied 'An Henrietten' (Ludwig Christoph Heinrich Hölty) Unv 21, Andante für Klavier WoO 211 und weitere nicht identifizierte Instrumentalskizzen
© Wienbibliothek im Rathaus

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