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Ausstellungsbericht
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Herbert Brandl - Exposed to Painting. Die letzten zwanzig Jahre
Herbert Brandl, Ohne Titel, 2001
© Franz Schachinger, Wien, Courtesy Galerie nächst St. Stephan
  

Mit seinen großformatigen Bildwelten zählt Herbert Brandl zu den erfolgreichsten österreichischen Malern der Gegenwart. Diese Ausstellung würdigt sein Schaffen der vergangenen zwanzig Jahre, das von der Auseinandersetzung mit diversen Erscheinungsformen von Natur geprägt ist.

von: 30.Jan 20
bis: 26.Oct 20


Belvedere 21
Österreichische Galerie Belvedere
Arsenalstraße 1
1030 Wien, AT
Tel: +43 1 79 557 0
Email: info ::: belvedere. at
https://www.belvedere.at/besuch/...

Öffnungszeiten:
Mo-So: 10-18 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Unbeeindruckt von aktuellen Strömungen war Herbert Brandls Selbstverständnis als Maler bereits zu einer Zeit gefestigt, in der die Malerei totgesagt wurde und Disziplinen wie Konzept-, Performance- und Medienkunst dominierten. Schon während seines Studiums ab 1978 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Herbert Tasquil und Peter Weibel schlug der steirische Maler den Weg zu einer eigenständigen Künstlerposition ein, die heute unumstritten ist.

Das Naturmotiv dominiert Brandls Œuvre und kommt vielseitig zum Ausdruck. Mit Bildern, die den Blick ins Monumentale öffnen, sowie „Zoom-ins“ und „Blow-ups“ wechselt er zwischen Nah- und Fernsichten. Große Gebirgsformationen, imposante Wasserfälle und stimmungsvolle Aulandschaften stehen neben intimen Nahaufnahmen von Rasen- und Wiesenstücken aus dem Mikrokosmos des eigenen Gartens. Brandl spielt mit expressiven Gesten, abstrakten Farbräumen und mächtigen Formgebilden. Seine Kunst entfaltet sich im Malvorgang: rasch, intuitiv, mit hohem körperlichem Einsatz, ohne vorausgeplantes, zielgerichtetes Vorgehen. Im Spannungsverhältnis von Figuration und Abstraktion oszillieren Brandls Arbeiten zwischen dem Wiedererkennungswert von Natur und den Sinneseindrücken von Farbe und Form. In den neuesten Werken lässt Herbert Brandl das Gegenständlich-Landschaftliche weitgehend hinter sich und legt den Focus auf die Wirkung reiner Farbe.

Die Schau präsentiert Brandls malerisches Œuvre mit dem Schwerpunkt auf Arbeiten der vergangenen beiden Jahrzehnte bis hin zu Werken, die der Künstler eigens für die Ausstellung geschaffen hat. Eine monumentale neue Arbeit trägt den ironisch-pointierten Titel Apokalypse zur schönen Aussicht. Flankiert wird das Triptychon von unheilverheißenden „nachapokalyptischen“ Bronze-Kreaturen. Exposed to Painting zeigt, dass sich in Brandls Behandlung des Sujets „Natur“ Bezüge zur Malerei der Romantik festmachen lassen. Der Künstler zeigt in seinen Landschaftsbildern eine unbändige, wilde, zugleich überwältigende Natur im Sinne der ästhetischen Kategorie des Erhabenen. Brandl denkt Natur in ihrer ursprünglichen Form, das heißt im Sinne von organisch und anorganisch Selbstgewachsenem, das ohne jeglichen Eingriff durch den Menschen entsteht und besteht.

„Sowohl auf der Ebene der Sujets als auch in der Geisteshaltung sind immer wieder Überschneidungen zwischen der Bildsprache der Romantik und Brandls Werk zu beobachten“, hält Kurator Rolf H. Johannsen fest. „Nicht die an der Wirklichkeit orientierte Wiedererkennbarkeit von Natur ist Brandls Ziel, vielmehr die Erfassung der Form, die ins Ideale, aber auch Heroische reichen kann: Punkte, an denen Christoph Ransmayr mit seinen literarischen Texten zu ausgewählten Gemälden ansetzt, die originärer Bestandteil der Ausstellung sind.“

Brandls Zugang zur Natur ist dennoch ein zeitgemäßer. Der Künstler setzt sich mit den Umweltproblemen des 21. Jahrhunderts bewusst auseinander und tritt auch als engagierter Umweltschützer auf. Sein künstlerisches Interesse an der Natur erhält eine konkret politische Dimension, wenn er durch die Wahl seiner Motive auf bedrohte Naturräume wie die Schwarze Sulm oder die Koralpe in der Steiermark verweist. Beiden Landschaften hat Herbert Brandl zahlreiche Werke gewidmet. Er artikuliert damit einen stillen, aber deutlichen Appell zum Schutz der Natur – eine Geste, die in Zeiten der fortschreitenden Umweltzerstörung und des Klimawandels aktueller nicht sein könnte.

Herbert Brandl wurde 1959 in Graz geboren und ist in Schwanberg/Steiermark aufgewachsen. Er besuchte die Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Herbert Tasquil und Peter Weibel. Von 2004 bis 2019 lehrte Brandl als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Er lebt und arbeitet in Wien und Schwanberg.

[pge]

Ausstellungsansicht
© Markus Wörgötter/Belvedere, Wien

Ausstellungsansicht
© Markus Wörgötter/Belvedere, Wien

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