Passwort vergessen?
 
Neuen Account erstellen
 
Warum registrieren
 
Ausstellungsbericht
DruckenArtikel als pdf anzeigen

Richard Gerstl - Inspiration - Vermächtnis
RICHARD GERSTL 1883–1908 Selbstbildnis, lachend, 1908
© Belvedere, Wien
  

Diese umfassende und sehenswerte monografischen Präsentation zeigt das eigenständiges expressives Œuvre, das noch vor Oskar Kokoschka und Egon Schiele entstand. Weiters werden künstlerisch-kulturelle Kontexte erforscht und mittels Gegenüberstellungen die intensive Auseinandersetzung Gerstls mit der internationalen modernen Malerei seiner Zeit gezeigt.

  

von: 27.Sep 19
bis: 20.Jan 20


Leopold Museum im MQ
Museumsplatz 1 im MQ
1070 Wien, AT
Tel: +43 1 525 70 -0
Fax: +43 1 525 70 -1500
Email: office ::: leopoldmuseum. org
http://www.leopoldmuseum.org/

Öffnungszeiten:
Mi-Mo: 10-18 Uhr
Do bis 21 Uhr
GESCHLOSSEN
WEGEN UMBAU
5.11.18 - 5.12.18



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Die Prägung des Œuvres, nicht zuletzt durch seine Begeisterung für Musik, Literatur und Psychologie, sowie der Einfluss seines Werks auf nachfolgende Künstlergenerationen werden überdies thematisiert. Die Auswahl der gezeigten zeitgenössischen Arbeiten bezieht sich nicht nur auf die gestische, sich zur Abstraktion hin öffnende Malerei des von Kennern geschätzten, aber immer noch zu wenig bekannten Malers der Wiener Moderne, sondern auch auf die Kompromisslosigkeit seiner künstlerischen Haltung.

Bis zum heutigen Tag liegt ein Schleier des Ungewissen über Richard Gerstl – aufgrund fehlender Fakten sind Leben und Werk durchsetzt mit Geschichten und Legenden. Immer wieder stieß sich der in seiner Persönlichkeitsstruktur komplexe Gerstl im Laufe seiner Biografie an Autoritäten, fand sich schwer im Kreis seiner Malerkollegen zurecht oder überwarf sich mit Lehrern und Ausstellungsmachern. 1883 in Wien geboren, konnte sich der aus bürgerlicher Familie stammende Knabe bereits im Gymnasium nicht anpassen und wechselte in eine Privatschule. Spätere Dispute mit Christian Griepenkerl, seinem Lehrer an der Akademie der bildenden Künste, führten 1901 zu Gerstls vorübergehendem Abgang. In Simon Hollósy, bei dem er 1900 und 1901 Sommerkurse belegte, fand er hingegen einen verständnisvollen Lehrer. 1906 wurde er zudem in Heinrich Leflers „Specialschule“ für Landschaftsmalerei aufgenommen. Dort praktizierte er den international anerkannten, zu jener Zeit modernen Pointillismus, bis es auch mit Lefler zu einem Zerwürfnis kam.

„Erfahrene Zurückweisung und Unverständnis in der bildenden Kunst ließ ihn eine Heimat in einer anderen künstlerischen Disziplin finden: im musikalischen Umfeld des Arnold Schönberg-Kreises. Insbesondere mit Schönberg verband ihn eine Seelenverwandtschaft – gemeinsame musikalische und malerische Interessen bestärkten die konsequente ästhetische Haltung beider Künstler und forcierten ihren Experimentierwillen. Hier Schönberg, der drauf und dran war, den Abschied von der Tonalität einzuleiten und damit den Ordnungsverlust von Harmonie in Kauf zu nehmen, dort Gerstl, der die Umwertung tradierter Werte im malerischen Bereich initiierte und in Österreich als Erster den Schritt in den Expressionismus wagte.“ sagte Direktor Hans-Peter Wipplinger.

Auf der Höhe seines malerischen Könnens fand Gerstls Leben ein plötzliches Ende. Auslöser war eine unglückliche Liebesaffäre mit Mathilde, der Frau Arnold Schönbergs. Während des gemeinsamen Sommeraufenthalts 1907 am Traunsee entwickelte sich eine tiefe Zuneigung zwischen Richard Gerstl und Mathilde Schönberg. Im Jahr darauf lud der Komponist seinen Künstlerfreund abermals zur Sommerfrische ein, diesmal wurde das Liebespaar jedoch ertappt. Der Konflikt eskalierte, es kam zur vorübergehenden Trennung der Schönbergs, nach der Mathilde zu Ehemann und Kindern zurückkehrte. Die Zurückweisung durch die Geliebte, der folgende Ausschluss aus dem Schönberg-Kreis und darüber hinaus die fehlenden Präsentationen seines Werks trieben den psychisch labilen Künstler am 4. November 1908, mit 25 Jahren, in den Selbstmord.

Gerstls Schaffen, mit dem er seiner Zeit weit voraus war, wurde zu Lebzeiten kaum verstanden, nach seinem Tod eingelagert und erst lange Zeit später wiederentdeckt: Mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Selbstmord im Jahr 1908 zeigte sein Bruder Alois dem Kunsthistoriker und Galerist Otto Nirenstein (Kallir) das Œuvre, worauf sich der Kunstkenner, fasziniert von den Werken, intensiv für deren Bekanntmachung einsetzte. Kallir organisierte Ausstellungen in Europa und New York und initiierte Verkäufe zur Verbreitung von Gerstls Schaffen. Dem Kunsthistoriker Otto Breicha, der um 1960 seine intensiven Forschungen zu Gerstl aufnahm und umfangreiches Datenmaterial sammelte, gelang es noch, mit zahlreichen Zeitgenossen des Künstlers Gespräche zu führen. Breicha gilt als einer der ersten Gerstl-Spezialisten und hatte eine beratende Funktion in der in Wien ansässigen Galerie Würthle inne. An diese verkaufte Otto Kallir, der anlässlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges nach New York emigriert war, in den 1950er-Jahren 18 Werke Gerstls, da der Transport in die USA zu riskant gewesen wäre. Die Galerie befand sich im Eigentum des in Zug wohnhaften Ehepaars Fritz und Editha Kamm und stand unter der künstlerischen Leitung von Fritz Wotruba, die wesentlich an der Vermittlung von Gerstls Œuvre beteiligt waren. Die Familien Kamm und Leopold standen von den frühen 1970er- bis in die 1990er-Jahre in regem Austausch. Schließlich war es der leidenschaftliche Sammler Rudolf Leopold, der in Qualität und Umfang die weltweit bedeutendste Gerstl-Sammlung zusammentrug und durch die Gründung des Leopold Museum der Öffentlichkeit zugänglich machte. Ergänzt durch neue Dauerleihgaben, umfasst der Bestand des Leopold Museum nun 19 Werke.

Zahlreiche Widersprüche lassen sich in Richard Gerstls Œuvre, das dem zeitgleichen Streben nach Harmonie der Secessionisten widerspricht, festmachen: So sind die deskriptiv-realistischen Tendenzen seiner pointillistischen Phase vermutlich beeinflusst von der Impressionisten-Schau 1903 in der Secession. Im Jahr darauf mag er ebendort die Werke von Munch und Hodler für sich entdeckt haben, was symbolistische Elemente in seiner Malerei vermuten lassen. Die Van Gogh Präsentation von 1906 in der Galerie Miethke könnte wiederum zur impulsiv-dynamisierenden Flecken- und Strichmalerei seiner zur Abstraktion hinstrebenden Werke ab 1907 geführt haben.

„Sein Werk erstreckt sich über rund sechs Jahre und ist geprägt von schnell durchlaufenen, gegensätzlichen Entwicklungsphasen und stilistischen Umschwüngen, die sich durch Vor- und Rückgriffe auszeichnen. Das Aneignen von Vorbildern, was ihn immer wieder auch zur Revision seines Umgangs mit Farbe und Form zwang, sowie das Konterkarieren stilistischer Anregungen schienen seinen ästhetischen Weg zu bestimmen. Betrachtet man sein Schaffen im Kontext von Wien um 1900, in dem die Idee des Gesamtkunstwerks – eingebettet im hyperästhetisierten und überkultivierten Jugendstil – omnipräsent war, wird seine progressive künstlerische Haltung als Pionier des Expressionismus offensichtlich. Kein Wunder also, dass dieser ungestüm-widerständige, zugleich mit Talent, Intelligenz und seismografischem Gespür ausgestattete Mensch und Maler im damaligen Wiener Umfeld nicht reüssieren konnte.“ so Hans-Peter Wipplinger

Heute ist Gerstl in Wien kein Unbekannter mehr, sondern zählt neben Oskar Kokoschka und Egon Schiele zum Dreigestirn des österreichischen Expressionismus. Der Künstler hat sich als zentrale Säule der Avantgarde in die Kunstgeschichte eingeschrieben – er hat herausragende Gemälde hinterlassen, die auch den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen und Inspiration sind für Gegenwarts-KünstlerInnen wie etwa Martha Jungwirth, Georg Baselitz oder Günter Brus.

Im Leopold Museum treten die rund 50 Gemälde und Zeichnungen Gerstls – bei einem gesicherten OEuvre von rund 70 Werken – in einen Dialog mit Exponaten der klassischen Moderne (u. a. von Vincent van Gogh, Edvard Munch, Pierre Bonnard oder Lovis Corinth), der internationalen Kunst nach 1945 (u.a. von Willem de Kooning, Francis Bacon oder Eugène Leroy) und der österreichischen Gegenwartskunst (u.a. von Arnulf Rainer, Günter Brus, Herbert Brandl oder Martha Jungwirth). Diese Gegenüberstellungen ermöglichen neue Sichtweisen und Deutungsmuster der Kunst von Richard Gerstl. Insgesamt sind 205 Exponate zu sehen, darunter Gemälde, Arbeiten auf Papier, Fotografien, Skulpturen sowie ein Filmbeitrag. Ein Ausstellungssaal ist anhand von zahlreichen Archivalien der Aufarbeitung von Leben und Werk des Künstlers gewidmet.

Die Schau entstand in Kooperation mit dem Kunsthaus Zug.

[pge]

Ausstellungsansicht RICHARD GERSTL INSPIRATION – VERMÄCHTNIS Leopold Museum, Wien
© Leni Deinhardstein

Ausstellungsansicht RICHARD GERSTL INSPIRATION – VERMÄCHTNIS Leopold Museum, Wien
© Leni Deinhardstein

Kommentare
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 
Drucken
Lifestyle Ausstellungsberichte

Albrecht Dürer
20.Sep 19 - 6.Jan 20
Albertina

Josef Ignaz Mildorfer - Rebell des Barock
19.Sep 19 - 6.Jan 20
Oberes Belvedere

Henrike Naumann - Das Reich
26.Sep 19 - 12.Jan 20
Belvedere 21

In vino veritas - Wein im alten Ägypten
14.Jun 19 - 12.Jan 20
Papyrusmuseum

Josef Bauer - Demonstration
5.Sep 19 - 12.Jan 20
Belvedere 21

Made in Denmark. Dänisches Design seit 1900
25.Sep 19 - 12.Jan 20
Hofmobiliendepot

Caravaggio & Bernini - Die Entdeckung der Gefühle
15.Oct 19 - 19.Jan 20
Kunsthistorisches Museum

Johanna Kandl - Material. womit gemalt wird und warum
13.Sep 19 - 19.Jan 20
Unteres Belvedere

Richard Gerstl - Inspiration - Vermächtnis
27.Sep 19 - 20.Jan 20
Leopold Museum im MQ

Arnulf Rainer - Eine Hommage
27.Sep 19 - 26.Jan 20
Albertina

Mozart: Reisender in Europa
13.Feb 19 - 26.Jan 20
Mozarthaus Vienna

Street. Life. Photography
11.Sep 19 - 16.Feb 20
KunstHausWien

Heimrad Bäcker
27.Sep 19 - 16.Feb 20
MUMOK

Alfred Schmeller - Das Museum als Unruheherd
27.Sep 19 - 16.Feb 20
MUMOK

100 Beste Plakate 18 - Deutschland Österreich Schweiz
6.Nov 19 - 1.Mar 20
Museum für angewandte Kunst -MAK

Sitzen 69 - Revisited
13.Nov 19 - 29.Mar 20
Museum für angewandte Kunst -MAK

Deutscher Expressionismus - Die Sammlungen Braglia & Johenning
15.Nov 19 - 20.Apr 20
Leopold Museum im MQ

moving freud museum
4.Mar 19 - 8.May 20
moving freud museum

Family Matters
4.Oct 19 - 30.Aug 20
Dom Museum

Wiener Fürstenfiguren - Gotische Meisterwerke des Stephansdoms
14.May 19 - 14.May 22
Unteres Belvedere

Suche nach Ausstellungen

Titel 
Lokalität 
Datum 
yyyy-mm-dd or yyyy-mm
GO

  smsParkschein - Das App zum Erstellen einer SMS an Handy Parken
 

 

 
iLifestyle - Das App von Lifestyle -das gute Leben im Internet