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Johanna Kandl - Material. womit gemalt wird und warum
Johanna Kandl
© H&J. Kandl, 2018. Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
  

Mineralien aus Zypern, Gummi arabicumaus dem Sudan, Koschenille-Schildläuse von Lanzarote: Das Material eines Bildes erzählt neben dem Sujet eine eigene und bewegte Geschichte, die von Menschen, ihrer Lebens- und Um-Welt erzählt. In dieser sehr interessanten und bisweilen ein bisschen skurilen Ausstellung beschäftigt sich die österreichische Künstlerin Johanna Kandl mit dieser substanziellen Seite der bildenden Kunst.

  

von: 13.Sep 19
bis: 19.Jan 20


Unteres Belvedere
Österreichische Galerie Belvedere
Rennweg 6
1030 Wien, AT
Tel: + 43 1 79 557 200
Email: info ::: belvedere. at
http://www.belvedere.at/

Öffnungszeiten:
tgl.: 10 - 18 Uhr
Fr: bis 21 Uhr



Karten mit Ziel und
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Johanna Kandl setzt ihre eigenen Werke mit Gemälden aus der Sammlung des Belvedere, einigen Leihgaben sowie mit in der Malerei verwendeten Grundstoffen in Beziehung. In ihrer multimedialen Gesamtinszenierung sind sie Mittel zum Zweck, um die Geschichte von Mal- und Farbmitteln zu erzählen.
 
Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere:„Johanna Kandl ist Malerin, die in ihrem gesamten Werk weltbezogen agiert. Nun ist sie dem Material ihres Mediums auf der Spur – seiner Bedeutung und seiner Herkunft. Sie zeigt damit auch blinde Flecken der klassischen Kunstgeschichte auf, die das Material lange Zeit unbeachtet gelassen hat.“

Gemeinsam mit ihrem Mann Helmut Kandl geht die Künstlerin Erzählungen nach, die hinter Bildern stehen. Ihr Ausgangspunkt sind organische und anorganische Substanzen – dennoch betreibt das Künstlerpaar keine reine Materialkunde. Vielmehr sucht es Antworten auf sozioökonomische Fragen, die mit den physischen Grundlagen der Malerei in Beziehung stehen.

Öl auf Leinwand – hinter dieser geläufigen Phrase der bildenden Kunst steckt mehr als nur Farbe auf Untergrund. Ölfarbe und Leinwand bestehen aus Pflanzen, Binde-, Löse- oder Verdünnungsmitteln und Pigmenten, die wiederum eine lange Geschichte haben. Sie werfen eine Reihe von ökologischen, ökonomischen, sozialen oder religiösen Fragen auf.

An der Farbe Blau etwa lässt sich die Entwicklung unserer Zivilisation nachvollziehen: Azurit ist ein Nebenprodukt des Kupferabbaus, Indigoblau wird aus Pflanzen gewonnen, die in der Kolonisationspolitik nicht unwesentlich waren; und Ultramarin wurde in einer heute kaum erreichbaren Region Afghanistans aus Lapislazuli gewonnen. Heute wie damals stehen hinter dem Produktionsprozess und der Gewinnung von Malmaterialien Menschen und ihre Lebensbedingungen, die oft im drastischen Kontrast zum Prunk der Kunst stehen. Auch das allgegenwärtige Thema Klimakrise schärft unser Bewusstsein für Material: Wie wir mit Rohstoffen umgehen, ist Anfang des 21. Jahrhunderts im Wandel begriffen. Das betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche – auch Musik, Mode oder bildende Kunst. Parallel zur Bilderflut in sozialen Medien steigt das Interesse am Analogen. Die Wissenschaft nennt diese Veränderungen in unserem kulturellen Verhältnis zum Stofflichenmaterial turn. Johanna und Helmut Kandl nehmen sich diesals Leitfaden ihrer Arbeit.

Die Schau basiert auf zahlreichen Recherchereisen des Künstlerpaares, die mittels Bildern, Videos, Fotos und Objekten dokumentiert werden. Sie werden eingebettet in einen Kontext umfangreicher Recherchearbeit zu den jeweiligen Material-Kapiteln und in einer interessanten Zusammenarbeit mit den Bundesgärtner des Belveder-Gartens: Im Frühjahr 2019 wurden vor der Orangerie im Kammergarten Pflanzen angebaut, aus denen Mal- und Farbmittel erzeugt werden. Die Ausstellung greift diese Pflanzen und zusätzlich anorganische Materialien auf und kontextualisiert sie. Die Zusammengehörigkeit beider Bereiche wird durch Ausblicke aus dem Innenbereich der Orangerie in den Außenbereich des Kammergartens unterstrichen.

Die Ausstellungsarchitektur vermittelt eine Atelieratmosphäre. Ein spezielles Format der Hängeflächen spiegelt die Materialität der Bilder wider: Die Stellwände erlauben den Blick auf jene Seite der Bilder, die sonst verborgen bleibt. Handgeschriebene Texte begleiten die Exponate. Die Ausstellung ist nach Materialien gegliedert, beginnend mit Leinen über Harze, Öle, Leime und Pinsel bis zu den pflanzlichen und mineralischen Pigmenten. Zu den zahlreichen Leihgaben gehören unter anderem eine Mumie aus dem Kunsthistorischen Museum Wien oder Mineralien aus dem Naturhistorischen Museum Wien.

Johanna Kandl hat durch ihre Ausbildung zur Restauratorin einen starken Bezug zur materiellen Seite der bildenden Kunst. Ihre Herkunft aus einer Familie von Farberzeugern und –händlern machte sie empfänglich für diese Thematik. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit steht die Beschäftigung mit ökonomischen Bedingungen und ihren Auswirkungen auf das tägliche Leben. Wesentlicher Gegenstand ihrer Beobachtung sind seit den 1980er-Jahren unter anderem gesellschaftliche Verhältnisse in den Transformationsländern wie dem Balkan. Seit 1997 arbeitet sie mit Helmut Kandl vor allem an partizipativen und Rechercheprojekten zusammen. Johanna Kandl lebt und arbeitet in Wien und Berlin.

[pge]

Ausstellungsansicht
© Life-style.at

Ausstellungsansicht
© Life-style.at

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