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Ausstellungsbericht
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Foto.Buch.Kunst - Umbruch und Neuorientierung in der Buchgestaltung in Österreich 1840–1940
Umschlag von C. Angerer & Göschl Wien Sechzig Jahre, 1932
© Fotograf: Angerer & Göschl
  

Während die Fotografie heute fast jede Art von Publikation dominiert, gerieten die Ursprünge dieses Zusammenwirkens in Vergessenheit: Der Weg des Fotos ins Buch gestaltete sich lang und war von zahlreichen technischen Problemen begleitet, umso erstaunlicher sind die unterschiedlichen kreativen Lösungsvorschläge der Pioniere.

von: 28.Jun 19
bis: 22.Sep 19


Albertina
Albertinaplatz 1
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 534 83 -0
Fax: +43 1 534 83 -430
Email: info ::: albertina. at
http://www.albertina.at/

Öffnungszeiten:
Tgl. 9 - 18 Uhr
Mi, Fr bis 21 Uhr



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Originalfotografien, Probedrucke oder Buchmaquetten (originale Buchentwürfe) zum großen Teil aus den Sammlungen der ALBERTINA eröffnen einen neuen Blick auf einen bisher unbeachteten Aspekt österreichischer Kulturgeschichte, der durch vielfältige Querverbindungen zwischen wissenschaftlicher Neugier, industriellen Interessen, künstlerischen Experimenten und einer dem Projekt Aufklärung verpflichteten Bildungspolitik gekennzeichnet ist.

In der Ausstellung mit rund 300 Exponaten aus den Jahren von 1840 bis 1940 entwickelt sich ein außergewöhnliches Panorama innovativer Leistungen entlang von Prachtbänden und Werbebroschüren, Reiseberichten und wissenschaftliche Atlanten, Künstlerentwürfen und Industriedokumentationen. Ein breites Spektrum früher Fotobände in Österreich präsentiert hier erstmals faszinierende Kombinationen aus überzeugender Fotografie, raffinierter Buchgestaltung und handwerklicher Perfektion.

Das Aufkommen der Fotografie 1839 inspirierte bereits ihre frühesten Kommentatoren zu vielversprechenden Zukunftsvisionen, die das Medium von Beginn an mit dem Buch in Verbindung brachten. Man verglich die Erfindung der Fotografie mit der des Buchdrucks, als die massenweise Vervielfältigung der Lichtbilder noch in weiter Ferne lag. Man sah das revolutionäre Potential nicht nur in der detailgetreuen Abbildung ohne menschliches Zutun, sondern auch in der maschinellen Reproduzierbarkeit, deren Entwicklung aber noch in den Kinderschuhen steckte.

Dennoch war die Suggestion der fotografischen Abbildung als authentisch und untrüglich so groß, dass man auch im gedruckten Buch nicht auf das neue Medium verzichten wollte. Man behalf sich mit Abbildungen nach Fotografien, also Lithografien oder Holzstichen. Ab 1857 erschienen Bücher mit eingeklebten Fotografien zur Illustration der Texte. Die Auftraggeber stammten vor allem aus der innovativen Wissenschaft und der expandierenden Industrie, es gab aber auch privat produzierte Bände als luxuriöse Erinnerungsstücke. Von Auflagenhöhen, wie sie die Druckerpresse ermöglicht und damit eine Revolution der Verbreitung von Schriften eingeleitet hatte, war dies weit entfernt und sollte dies auch bleiben.

Es folgen Jahrzehnte von institutionell betriebenen Versuchen, die Fotografie druckfähig zu machen und damit das „Ei des Kolumbus“ (Ludwig Schrank, 1864) zu finden. In dieser Phase entwickelten sich Edeldruckverfahren, die hochwertige Bildreproduktionen erlaubten und damit den von allen Forschern langgehegten Wunsch erfüllten, umfassende Bildatlanten mit detaillierten fotografischen Abbildungen zu publizieren und auf diese Weise authentisches vergleichsmaterial für die Forschung zu schaffen. Die definitive „Professionalisierung“ des Fotodrucks in Österreich fand an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt unter Direktor Josef Maria Eder statt. Ihr ist der Schwerpunkt dieser Schau gewidmet.

Rasch wurden fotografische Bilder in die raffiniert gestalteten Bücher des Wiener Jugendstils einbezogen. 1914 wurde in Leipzig die Internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphikveranstaltet, für die Josef Hoffmann einen Österreichpavillon entwarf und damit die Bedeutung des Buchgewerbes in der Monarchie in zeitgemäßer Form feierte. Der Erste Weltkrieg, durch den die Ausstellung vorzeitig endete, brachte zwar noch ein eigenes Genre illustrierter Bände hervor, markierte aber zugleich das Ende der Ära der Prachtausgaben. Eine weitere Verbesserung der Möglichkeiten, Fotografien zu drucken erlaubte in der Zwischenkriegszeit endlich die Produktion kostengünstiger Bildbände. Erstmals wurden farbige Schutzumschläge mit fotografischen Motiven entworfen – und damit eine gänzlich neue Ära auf dem Büchermarkt eingeleitet. Zugleich löste sich die Fotografie aus ihrer Funktion als begleitende Textillustration oder als Speicher „authentischer“ Sachinformation. Sie gewann im avantgardistisch gestalteten „Fotobuch“ eine neue Qualität: Hier wurden die Lichtbilder bewusst aneinander gereiht oder gegenübergestellt, in klarem Miteinander zwischen Bild und Text sind die Fotografien etwa im Jubiläumsband der Wiener Werkstätte (1929) oder in Stefan Kruckenhausers "Du schöner Winter in Tirol" (1937) in bisher ungeahnter Qualität zu erleben.

Wie sich diese Kultur durch den Einsatz des technischen Bildmediums seit Mitte des 19. Jahrhunderts gewandelt hat und damit ein neues Zeitalter anbrach, ist das Thema der Ausstellung. Als von Pionieren mit trotz aller anfänglichen Schwierigkeiten mit Verve betriebenes Projekt der sich beschleunigenden Aufklärung begonnen, erwies sich das fotografisch illustrierte Buch seit der Einführung innovativer Drucktechniken als der entscheidende Wendepunkt zur modernenInformationsgesellschaft mit breiter Zugänglichkeit zu Wissen aller Art.

[pge]

Österreichische Staatsdruckerei
© Photoinstitut Bonartes

Stefan Kruckenhauser In großen Linien zeichnet der Schnee, Aus: Du schöner Winter in Tirol. Ski- und Hochgebirgs-Erlebnisse mit der Leica, Berlin: Photokino-Verlag, Otto Elsner, 1937
© Albertina Wien

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