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Ausstellungsbericht
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Neue Wiener Lieder
Logo HDM Neue Wiener Lieder
© Konrad Khittl
  

Was wäre Wien ohne das berühmte Wienerlied mit den leichtfüßigen Melodien, seiner Melancholie und dem oft tiefschwarzen Humor?

  

von: 31.May 19
bis: 13.Oct 19


Haus der Musik
Seilerstätte 30
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 516 48 0
Fax: +43 1 512 03 15
Email: info ::: hdm. at
https://www.hausdermusik.com/

Öffnungszeiten:
tgl. 10 - 22 Uhr




Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Dass das Wienerlied, ob in seiner traditionellen Form oder erfolgreich gemischt mit aktuellen Popströmungen, noch lange nicht zur Vergangenheit gehört, zeigt diese interessante Kabinett-Ausstellung anhand (fast) allen Protagonisten der letzten 50-60 Jahren.
 
Mit historischen Plattencovern, Instrumentenleihgaben, Bühnenrequisiten, Anekdoten und vielen Musikbeispielen spannt die Schau den Bogen von der Geschichte des modernen Wienerlieds zu bekannten, aktuell bedeutenden, Wiener KünstlerInnen wie etwa Ernst Molden und den Strottern und beleuchtet das Wiederaufleben des berühmten Liedgenres.

„Als Museum sehen wir unseren Auftrag nicht nur in der Vermittlung der Tradition der Wiener Klassik, sondern haben uns als Veranstalter von Singer-Songwriter Konzerten und dem jährlichen „Sinnesrauschen“ Festival auch die Aufgabe gestellt, der heimische Musikszene eine Bühne zu geben. Umso mehr freut es mich, dass wir mit der neuen Sonderausstellung nun den Fokus auf die aktuelle Wienerlied Szene legen, die so lebendig ist, wie nie zuvor.“, so HdM Direktor Simon Posch zur Ausstellung.

Wien, die Stadt der vielen Gesichter, der vielen Legenden, weltberühmt für ihre Einzigartigkeit und ureigene Kultur. Eine ganz wesentliche Rolle dabei spielt das Wienerlied, das etwa um 1800 entstanden ist und bis heute in vielen Schattierungen gepflegt wird. Während das traditionelle Wienerlied, oft als altmodisch abgetan, also nicht umzubringen ist, ist es in den vergangenen Jahren einer jungen Generation an MusikerInnen gelungen, mit unterschiedlichen neuen Ansätzen dieses Genre endgültig ins „Jetzt“ zu holen und für ein neues Publikum attraktiv zu machen: Künstler wie Ernst Molden, Kollegium Kalksburg, Roland Neuwirth, Der Nino aus Wien oder Voodoo Jürgens spielen klug und gekonnt mit der Tradition, sie verändern sie mit dem Einarbeiten neuerer Strömungen, indem sie zum Beispiel Rock, Reggae, Blues und Pop einfließen lassen. Die Stärken des Wienerliedes – Ironie, Humor, Zeitgeist, auch Gesellschaftskritik – werden oft in einer anderen Sprache zum Ausdruck gebracht. Man fühlt sich ertappt, wenn man das Lied „Hättma, kenntma (mochma oba net)“ der Gebrüder Marx hört:
Kenntma besser Fuassboi spün,
Woima oba net.
Kenntma amoi wön gehn,
Mochma oba net

Bewusst trägt die Schau den plakativen Untertitel „Poesie, Provokation, Pop“ - all diese Begriffe waren schon immer Dogma und Anliegen des Wienerliedes. Das galt früher und gilt auch heute wieder, vielleicht stärker, aber jedenfalls zeitgeistiger. Das Wienerlied wurde zum zeitgeistigen, kritischen „Mainstream“ der Popgeneration. Der leider viel zu früh verstorbene Musiker und Songschreiber Georg Danzer sagte einmal: „Mit Austropop habe ich eigentlich nichts am Hut. Nicht nur weil vieles, das man mit dem Attribut Austro- versehen hat, später den Bach runter gegangen ist. Das schlimmste Beispiel ist wohl der Austrofaschismus“. Mit dieser wohl sehr provokanten Aussage hat einer der großen Chansoniers und Poeten der heimischen Szene seine Position klargelegt. Nie ging es ihm um Kommerz, sondern immer um Kritik, Ironie und Haltung. Danzer beweist eindringlich, dass eingängige Melodien nicht oberflächlich sein müssen. Wie bei vielen seiner Musikerkollegen verbergen seine Texte einen wachen Geist hinter plumpem Spott, Humanismus hinter purem Zorn. Auch die neue Generation liebt die Provokation dieser Art: Voodoo Jürgens gräbt Tote aus, Sigi Maron lobt Hitler, da er zumindest Vegetarier war und Wanda erklären Inzest mit Amore.

Neben einer Audio/Video-Station bei der die BesucherInnen in die musikalische Welt des Neuen Wienerlieds eintauchen können, versammelt die Ausstellung im Innenhof viele historische Plattencover und Fotoaufnahmen aus den letzten 50 Jahren der Szene. Auch Künstler haben wertvolle Leihgaben beigesteuert, so etwa Ernst Molden einen Hut, sein Markenzeichen oder Nino aus Wien einige Bühnenrequisiten. Es finden sich aber auch ganz besondere Stücke wie ein altes Apple Powerbook Duo 230, der erste Computer, auf dem Georg Danzer seine Texte geschrieben hat. Von der vielleicht „ersten Popband des Wienerischen“, der Worried Men Skiffle Group (gegründet 1960), sind Instrumente zu sehen.

In einem Versuch, die Erzählstränge der Ausstellung zusammenzufassen, meint Kurator Klaus Totzler: „Hier geht es um das Entlarven und das Spiegelvorhalten, aber auch um eine Liebeserklärung. Es geht um das Raunzertum und die Arroganz genauso, wie um das Goldene Wienerherz und die Heimatverbundenheit abseits politisch fragwürdiger Ideologien. Es geht um die Liebe.“

[pge]

Goldene LPs Wolfgang Ambros
© Benjamin Posch

Plattencover Wiener Musik
© Benjamin Posch

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