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Ausstellungsbericht
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Pattern and Decoration - Ornament als Versprechen
Robert Kushner Pink Leaves, 1979 Acryl, verschiedene Textilien / Acrylic, various textiles 205 x 330,5 cm
© Ludwig Museum – Museum of Contemporary Art, Budapest © Robert Kushner
  

Diese hervorragende und abwechslungsreiche Ausstellung aus den reichen Bestände des Sammlerpaares Peter und Irene Ludwig ist die größten Präsentation der US-amerikanischen Bewegung Pattern and Decoration im deutschsprachigen Raum seit den 1980er-Jahren. Wobei für den deutschsprachigen Untertitel die bekannten Maxime von Adolf Loos – Ornament und Verbrechen - abgewandelt wurde zu - Ornament als Versprechen - was dem gezeigten sehr nahe kommt!

  

von: 23.Feb 19
bis: 8.Sep 19


MUMOK
Museum Moderner Kunst
Stiftung Ludwig Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien, AT
Tel: +43 1 525 00
Email: info ::: mumok. at
http://www.mumok.at

Öffnungszeiten:
Täglich 10 bis 19 Uhr
Donnerstag bis 21 Uhr
Montag ab 14 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Mit orientalisch anmutenden Mosaiken, monumentalen Textilcollagen, Malereien, Installationen und Performances verfolgten feministisch engagierte Künstlerinnen und Künstler wie Miriam Schapiro, Joyce Kozloff, Valerie Jaudon oder Robert Kushner in den 1970er-Jahren das Ziel, Farbe, Formenvielfalt und Emotion in die Kunst zurückzuholen. Das Dekorative und ihm nahe kunsthandwerkliche Techniken spielten dabei eine große Rolle: Unterschiedliche ornamentale Traditionen - von der islamischen über die nordamerikanisch-indianische bis zur Art déco - fanden Eingang in die Werke und öffneten den Blick über den geografischen und historischen Tellerrand hinaus. Die Nähe zu Folklore und Kitsch wurde dabei nicht nur in Kauf genommen, sondern als Gegenentwurf zum "Purismus" der Kunst der 1960er-Jahre ausdrücklich gesucht.

Pattern and Decoration lässt sich als paradigmatische Kunstströmung der 1970er-Jahre beschreiben, jenes schwer zu fassenden Jahrzehnts der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche, in dem die sozialen und politischen Utopien der 1960er-Jahre auf erste Vorboten eines aufkeimenden Neoliberalismus trafen. Als "promisk" kritisierte der amerikanische Kunsthistoriker Hal Foster die Kunst jener Dekade in seinem Artikel The Problem of Pluralism (Das Problem des Pluralismus, 1982). Nach den "puren" Bestrebungen der 1960er-Jahre, allen voran der Minimal Art, mangle es der Kunst der 1970er-Jahre sowohl an Stil als auch an kritischem Bewusstsein.

Pattern and Decoration allerdings war aus Überzeugung "promisk": "Wir weigerten uns, Kunstformen einer Hierarchie zu unterwerfen", so beispielsweise Joyce Kozloff. "Für uns gab es weder Grenzen zwischen den Kunstformen der Welt noch 'High' oder'Low Art'." Und Robert Kushner: "Wir wollten das Spektrum dessen, was im offiziellen Kunstlexikon zugelassen war, erweitern. Textilien, großartig. Quilts - ja. Keramik - aber sicher. Teppiche - warum nicht. Wir schauten uns all diese Objekte im Hinblick auf ihren ästhetischen Wert und ihre reichen visuellen Vorzüge an und wollten, dass andere sie auch als Kunst wahrnahmen." Und schließlich Robert Zakanitch: "Die strikten Parameter der Moderne verloren ihre Bedeutung, und jenseits davon gab es prächtige Dinge zu erfühlen und zu malen - feine Muster, Ornamente, Designs aus allen Kulturen der Welt, Volkskunst - Dinge und Themen, die als zu feminin erachtet worden waren und daher als trivial galten."

Geboren aus Diskussionen von miteinander befreundeten und bekannten Künstlerinnen und Künstlern sowie der Kritikerin Amy Goldin, stellt Pattern and Decoration die vielleicht letzte Kunstbewegung des 20.Jahrhunderts dar - und zugleich die erste, die über die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten dekorativen Traditionen eine tatsächlich globale Perspektive verfolgte. Die egalitären, kollektiven und lebenspraktischen Dimensionen, die Goldin als Eigenschaften des Dekorativen definierte, stehen dabei stellvertretend für das Programm von Pattern and Decoration: nämlich, was konventionell als "nieder" eingestuft wurde - die Kunst von Frauen, Kunsthandwerk, Volkskunst und so weiter -, möglichst laut zu feiern.

Der österreichische Architekt Adolf Loos (1870-1933) kriminalisierte das Dekor in seiner berühmt-berüchtigten Streitschrift Ornament und Verbrechen, die 1908 in Reaktion auf den Wiener Jugendstil entstand. Seine Abwesenheit sei Indikator einer hohen Kulturentwicklung; seine Fertigung ein "Verbrechen an der Volkswirtschaft". Ornament als Versprechen, der Untertitel der Ausstellung, verkehrt die Loos’sche Polemik im Sinne der Anliegen von Pattern and Decoration: Tritt die eine Position in unverkennbar misogynem und kolonialistischem Tonfall für eine "High Art" ein, so wird auf der anderen Seite nach Alternativen zu den Werten der westlichen Industriestaaten gesucht - nach anderen Geschlechterverhältnissen und kulturellen Identitäten und, nicht zuletzt, nach einem neuen Kunstbegriff.

Peter und Irene Ludwig haben den Wert dieser Kunst schon früh erkannt und Pattern and Decoration durch systematische Ankäufe zu einem der Schwerpunkte ihrer Sammlung ausgebaut: Auf ihren Reisen in die USA Ende der 1970er-Jahre erwarben sie rund siebzig Arbeiten, von denen sich heute der Großteil im Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen und eine ebenfalls umfassende Werkgruppe im mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien befindet. Dieses in Kooperation realisierte Projekt führt die Bestände der beiden Museen erstmals wieder zusammen. Ergänzt durch weitere internationale Leihgaben bildet die Ausstellung damit die größte Präsentation der Pattern-and-Decoration-Bewegung im deutschsprachigen Raum seit den 1980er-Jahren und ermöglicht, dass diese mehr als vierzig Jahre nach ihrer Gründung einer Neubewertung unterzogen werden kann.

Denn die Fragen, die die Künstlerinnen und Künstler stellten, erfahren heute, in einer noch viel stärker globalisierten und von Machtasymmetrien gekennzeichneten Welt, eine brisante Aktualisierung. Zu einem Zeitpunkt, da sich Gräben vertiefen und Grenzen schließen, erinnert diese Schau daran, was es zu gewinnen gilt, wenn die Kanäle offenbleiben.

Das Projekt wurde vom Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen initiiert und in Kooperation mit dem mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien realisiert. Im Anschluss an die beiden Stationen wird die Ausstellung im Ludwig Múzeum - Museum of Contemporary Art, Budapest zu sehen sein.

Künstlerinnen und Künstler: Brad Davis, Frank Faulkner, Tina Girouard, Valerie Jaudon, Joyce Kozloff, Robert Kushner, Thomas Lanigan-Schmidt, Kim MacConnel, Miriam Schapiro, Kendall Shaw, Ned Smyth, Robert R. Zakanitch und Joe Zucker

[pge]

Ausstellungsansicht
© Life-style.at

Ausstellungsansicht
© Stephan Wyckoff © mumok

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