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Ausstellungsbericht
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Stadt der Frauen - Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938
Helene Funke, Akt in den Spiegel blickend, 1908-1910
© Johannes Stoll, © Belvedere, Wien
  

Diese sehr interessante Ausstellung zeigt einen wunderbaren Überblick über das Kunstschaffen des ersten Drittels des letzten Jahrhunderts in Wien, wobei Werke von den wichtigsten Künstlerinnen der Stadt ausgewählt wurden. Diese Frauen waren im Kunstgeschehens der Stadt fest verankert und stellten auf Augenhöhe mit ihren männlichen aus. Mit dem Anschluss 1938 wurden sie aus der Kunstgeschichte verbannt und vergessen. Darum werden sie in dieser Schau wieder ins Blickfeld gerückt und damit ihre beeindruckenden Leistungen gewürdigt.

  

von: 25.Jan 19
bis: 19.May 19


Unteres Belvedere
Österreichische Galerie Belvedere
Rennweg 6
1030 Wien, AT
Tel: + 43 1 79 557 200
Email: info ::: belvedere. at
http://www.belvedere.at/

Öffnungszeiten:
tgl.: 10 - 18 Uhr



Karten mit Ziel und
momentanen Standort anzeigen

Mit Arbeiten von rund sechzig Künstlerinnen bietet die Schau einen umfassenden Blick auf das Kunstschaffen von Frauen als wesentlicher Teil des Wiener Ausstellungsgeschehens in den Jahrzehnten zwischen 1900 und 1938. Sie verfolgt chronologisch ihre Biografien und veranschaulicht so eindrücklich, in welch hohem Maß die klassische Moderne von Künstlerinnen geprägt wurde. Ihre Werke waren in allen wichtigen Stilrichtungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vertreten, wie Stimmungsimpressionismus, Secessionismus, Expressionismus, Kinetismus oder Neue Sachlichkeit. Gleich einem roten Faden führt das Schaffen von Broncia Koller-Pinell in der Ausstellung durch die Epochen. Die 1934 verstorbene Künstlerin mit jüdischen Wurzeln hat zu den meisten dieser Kunstströmungen maßgeblich beigetragen. Mittels historischer Fotografien und Dokumente werden im Unteren Belvedere Schauplätze der Wiener Moderne wie die Secession oder die Galerie Miethke vergegenwärtigt und Frauen und ihre Kunst darin verortet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts eroberten sich Frauen sukzessive einen Platz in der Kunstwelt der Wiener Moderne. Künstlerinnen wie Teresa Feodorowna Ries, Elena Luksch-Makowsky, Emilie Mediz-Pelikan oder Helene Funke schafften es, sich Karrieren aufzubauen, die auch nach heutigen Maßstäben beachtlich sind. In einer Zeit, die von streng dualen Geschlechterstereotypen geprägt war, kämpften sie gegen große Widerstände an. Der Zugang zur Akademie der bildenden Künste war ihnen noch versperrt, und es mangelte an Präsentationsmöglichkeiten. Teuren Privatunterricht konnten sich nur wenige leisten. Dennoch gelang es einigen, in Ausstellungen des Künstlerhauses, der Secession oder des Hagenbundes präsent zu sein. Eine ordentliche Mitgliedschaft in diesen Vereinigungen blieb ihnen allerdings verwehrt. Sehr früh schon schlossen sich Frauen daher zu eigenen Vereinen zusammen, etwa zur Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ), die als erstes kräftiges feministisches Zeichen dieser Entwicklung zu werten ist. Ankäufe durch die Staatsgalerie zeigen, dass diese Zusammenschlüsse erfolgreich waren.

Ende der 1920er-, Anfang der 1930er-Jahre war schließlich ein Niveau der Emanzipation erreicht, das nach dem Zweiten Weltkrieg erst mühsam wieder erarbeitet werden musste. In der Ausstellungsszene waren Künstlerinnen inzwischen deutlich präsent und unübersehbarer Teil der Avantgarde. Waren Frauen zunächst auf Bereiche wie Blumen- oder Landschaftsmalerei reduziert gewesen, besetzten sie bereits seit der Jahrhundertwende neue Themen und Genres. So wurde es schließlich gesellschaftlich anerkannt, dass Frauen Akte malten. Viele von ihnen bearbeiteten sozialkritische Themen und waren in ihren Werken äußerst politisch. Kurios mutet hier die Geschichte von Stephanie Hollenstein an, deren künstlerische Arbeit sehr expressiv war und die radikale Schritte in Richtung Gleichberechtigung setzte, sich später allerdings zum Nationalsozialismus bekannte.

1938 endete die Präsenz von Frauen in der Kunst. Das NS-Regime und der Zweite Weltkrieg führten dazu, dass ihre Arbeiten aus Museen, Galerien und der Kunstgeschichte generell verschwanden. Viele waren jüdischer Herkunft und mussten flüchten. Andere wurden durch den eingebrochenen Kunstmarkt ins Exil gezwungen und konnten nie wieder eine Karriere aufbauen. Nur einigen wenigen gelang es, nach ihrer Emigration wieder Fuß zu fassen. Künstlerinnen und ihre Werke gerieten in Vergessenheit.

Erst in den letzten Jahrzehnten begann die Aufarbeitung dieser Seite der Kunstgeschichte. Die vorliegende Ausstellung ist die bislang umfangreichste Dokumentation der Kunst von Frauen in der Wiener Moderne, den es seit Beginn des Zweiten Weltkriegs gegeben hat. Sie kann jedoch bei Weitem nicht den gesamten Umfang der Leistungen dieser Künstlerinnen präsentieren, sondern versteht sich als Anstoß zur weiteren wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema. Gezeigt werden Werke, die zum Teil seit drei Generationen nicht mehr zu sehen waren.

Künstlerinnen der Ausstellung :
Ilse Bernheimer, Camilla Birke, Tina Blau, Marie Olga Brand-Krieghammer Eugenie Breithut-Munk, Maria Cyrenius Friedl Dicker, Marie Egner, Bettina Ehrlich-Bauer Gertrud Fischl, Luise Fraenkel-Hahn, Greta Freist, Helene Funke, Susanne Renate Granitsch Margarete Hamerschlag Fanny Harlfinger-Zakucka Hermine Heller-Ostersetzer Stephanie Hollenstein Johanna Kampmann-Freund Franziska Kantor, Elisabeth Karlinsky, Stefi Kiesler, Erika Giovanna Klien Broncia Koller-Pinell Frida Konstantin-Lohwag Elza Kövesházi-Kalmár Leontine von Littrow Elena Luksch-Makowsky Mariette Lydis, Leontine Maneles, Emilie Mediz-Pelikan, Marie-Louise von Motesiczky Marie Müller, Gertrud Nagel, Fritzi Nechansky-Stotz, Minka Podhajská, Marianne Purtscher Baroness von Eschenburg, Gertraud Reinberger-Brausewetter Lili Réthi, Teresa Feodorowna Ries, Mileva Roller, Frieda Salvendy, Marianne Saxl-Deutsch, Emma Schlangenhausen, Anny Schröder-Ehrenfest, Lilly Steiner, Bertha Tarnóczy von Sprinzenberg Helene von Taussig, Ilse Twardowski-Conrat, My Ullmann, Trude Waehner, Olga Wisinger-Florian, Grete Wolf-Krakauer, Franziska Zach, Maria Zeiller-Uchatius, Nora von Zumbusch-Exner

[pge]

copyright: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien
© Johannes Stoll, © Belvedere, Wien

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