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Ausstellungsbericht
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Zeig mir deine Wunde
Kris·r, Arm (right), 2006
© Anders Kris·r
  

Diese kontroversielle und epochenübergreifende Ausstellung widmet sich Werken, die auf den sakralen Begriff der Wunde, der auch die Begriffe Verwundbarkeit und Heilung impliziert, eingehen. Dabei wird versucht die künstlerische Darstellbarkeit von körperlichen, psychischen, sozialen, ökonomischen und politischen Leiden zu thematisieren.

  

von: 20.Sep 18
bis: 25.Aug 19


Dom Museum
Wien
Stephansplatz 6
1010 Wien, AT
Tel: +43 1 51 552 -33 00
Fax: +43 1 51 552 -25 99
Email: info ::: dommuseum. at
http://www.dommuseum.at/

Öffnungszeiten:
Mi - So: 10 - 18 Uhr
Do: bis 20 Uhr



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Der Ausstellungstitel nimmt beim Titel einer Installation von Joseph Beuys aus den 1970er Jahren, „Zeige deine Wunde“, Anleihe. Für Beuys, der sowohl in der Sammlung Otto Mauer als auch in der Ausstellung vertreten ist, wurde das Motiv der Wunde zum Schlüsselbegriff seiner Kunst. Leitmotivisch für die Ausstellung im Dom Museum Wien ist der Aspekt des Herzeigens der Wunde ? im Sinn des Stehens zur eigenen Verletzlichkeit, aber auch der Öffnung dem Anderen gegenüber.

Wunden und Verletzungen sowie Leid und Schmerz gehören seit über 2.000 Jahren zu den zentralen Themen der europäischen Kunstgeschichte. Die Öffnung des Körpers, die Seitenwunde Christi und die aus ihr strömenden Flüssigkeiten wurden als zentrales Offenbarungsgeheimnis bzw. als Ursprung alles Heilbringenden empfunden. Die Wunde wurde zum Geburtsort der Kirche sowie der Sakramente, Blut und Wasser zum Zeichen und Medium von Taufe und Eucharistie. Entsprechend verehrt wurde die Wunde als Quelle des Lebens und des Glaubens. Demgemäß Dom Museum Wien zahlreich sind auch Darstellungen von Wunden, die bei Herz-Jesu-Bildern bis zur realen Verletzung des Bildträgers in Form eines Schnitts ins Papier führen können.

Verwundbarkeit stellt auch in der Moderne ein Hauptmoment der Kunst dar, wobei sich die Auseinandersetzung mit Wunden auf mannigfaltige Weise gestalten kann. Künstler_innen thematisieren die Verletzlichkeit des Körpers und geben Einblick in die Fragilität der menschlichen Existenz - ein Aspekt, der in der Kunst nach 1945 und dann vor allem in performativen Kunstformen nochmals eine existenziellere Dimension bekommt. Günter Brus, VALIE EXPORT, Gina Pane, u. a. erklären ihren eigenen Körper zum Medium der Kunst; sie bilden Wunden nicht ab, sondern verwunden sich im Rahmen von Aktionen selbst. Auch wenn solche Werke keineswegs einen christlichen Hintergrund haben, ja im Gegenteil mitunter sogar ausgesprochen kirchenkritisch sind, so verbindet sie mit den christlichen Verwundungsbildern doch die Grundidee, dass nur durch den geöffneten Körper, durch das Zeigen von Verwundbarkeit, positive Veränderungen und somit Heilung von gesellschaftspolitischen oder persönlichen Verletzungen eintreten können.

Die Ausstellung spannt den Bogen von historischen Exponaten, die eng mit dem Kern des christlichen Glaubens und der Passion Jesu verbunden sind bis zur Gegenwart und zu Arbeiten zeitgenössischer Künstler_innen. Bei Katrina Daschners „Angst essen Seele auf“ (2006) geht es um seelische Verwundungen in Form von verbalen Tätowierungen am Körper, wie es bei den Farbfleckenbildern und Skulpturen Romain Sarrots oder Iris Legendres um abstrahierte Wundenspuren geht. Ein ungemein expressives „Kruzifixus“ (Anfang 18. Jahrhundert) ist über und über mit Wunden übersät; die klaffende Seitenwunde wird zum Teil eines größeren Ganzen, in dem die Verwundung das werkbestimmende Element ist. Aus der Reliquienschatzkammer des Stephansdoms stammt eine Reliquie des Schweißtuchs Christi (1474).

Die Schau bezieht Werke aus den eigenen Beständen des Dom Museum Wien (den historischen Sammlungen, der Sammlung Otto Mauer, Otto Mauer Contemporary) sowie Leihgaben aus dem benachbarten Stephansdom, aus Pfarren der Erzdiözese Wien, österreichischen Stiften, in- und ausländischen Museen, Galerien, Privatsammlungen und Künstlerateliers mit ein. Nicht nur Epochen, sondern auch Medien und Gattungen betreffend umspannt die Präsentation eine große Bandbreite und zeigt Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie, Textil-, Video-, Buch- und Performancekunst sowie Kunsthandwerk.

Mit Arbeiten und Werken von:
Kader Attia, Jan de Beer, Renate Bertlmann, Joseph Beuys, Louise Bourgeois, Léa Le Bricomte, Günter Brus, Heinz Cibulka, Guillaume Courtois, Lucas Cranach, Ricardo Cuevas, Raphael Dallaporta, Katrina Daschner, Manfred Erjautz, VALIE EXPORT, Lucio Fontana, Joseph von Führich, Giovanni Giuliani, Birgit Jürgennsen, Lamia Joreige, Anders Krisár, Iris Legendre, Meister des Albrechtsaltars, Meister des Winkler-Epitaphs, Nadia Myre, Hermann Nitsch, Erkan Özgen, ORLAN, Gina Pane, Hannes Priesch, Markus Prachensky, Sophie Ristelhueber, Gabriele Rothemann, Gerhard Rühm, Romain Sarrot, Anneliese Schrenk, Andres Serrano, Shozo Shimamoto, Hana Usui, Tanzio de Varallo, u.a.

[pge]

Erkan Özgen, Wonderland (Still), 2016
© Erkan Özgen

Katrina Daschner, Angst essen Seele auf, 20016.
© Lena Deinhardstein @ Dom Museum Wien, Sammlung Otto Mauer

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